Überraschungen für go-to-africa

6 Nov

„That is africa“ – ein Spruch, der vieles unserer Reise umschreibt. Warum sind immer alle Steckdosen schief und Fliesen so verfugt, also ob es ein 12-jähriger gemacht hat – that is africa. Warum müssen für jeden Grenzübertritt Formulare in zigfacher Ausfertigung geschrieben werden? That is africa! Warum ist ein 2 Jahre alter Reiseführer in der Tat alt? That is africa!
Weil Afrika so ist, sind wir nun auf unserem Heimweg auf einer Route unterwegs, die so nicht geplant war. Die politische Situation, besonders in Nordafrika, hat sich bekanntlich im letzten Jahr stark geändert. Wir sahen daher für uns und unseren White Rhino nur eine sichere Möglichkeit wieder nach Europa zu kommen: die Ausreise per Schiff von Israel aus.

Das bedeutete dann für uns, dass wir mit der Überquerung des Suezkanals Afrika verlassen und Asien betreten haben. Da wir noch ein paar Tage Sonne getankt haben am Golf von Akaba, wählten wir den Grenzübergang Taba/Eilat für unsere Ausreise von Ägypten nach Israel.

All tracks in Egypt & Israel

Auch wenn wir für Israel kaum vorbereitet waren, das heißt weder Reiseführer noch gute Karte hatten, eines wussten wir von Anfang an: eine Einreise nach Israel wird nicht leicht werden. Auf der ägyptischen Seite mussten wir wie immer unser Carnet beim Zoll abstempeln lassen und bei Imigration unseren Pass. Außerdem mussten die ägyptischen Schilder zurückgegeben werden und bei der Verkehrspolizei geklärt werden, dass wir keine Verkehrsverstöße begangen haben. Erstaunlich war dann allerdings, dass der Rhino einer doch sehr ausführlichen Kontrolle unterzogen wurde. Jeder Schrank wurde von den ägyptischen Grenzbeamten geöffnet und jedes Fach kontrolliert. Als sie einen Beutel mit Katzenfutter finden fragt der Zöllner, warum wir Futter aber keine Katze hätten. Als ich erkläre, dass dies für Katzen sei „die wir so treffen“ schaut er mich an, als ob ich nicht alle Tassen im Schrank habe. Unser Glücks-Hufeisen betrachten sie so, als ob wir es als Wurfstern benutzen würden. Mit ein wenig Lachen und guten Erklärungen ist dann aber nach 2 Stunden der Weg frei in Richtung Israel. Leider steht aber ein schief gewachsen Baum genau in der Mitte der Straße, so dass wir vorsichtig weiter rollen, damit weder dem Rhino noch dem Baum etwas passiert. Genervt ruft der Zöllner „Go, go, go!“ und ich versuche ihm zu erklären, dass wir auf den Baum aufpassen. „The tree – is not our tree. There is israel!“ – sagt es und dreht sich um.

Na, auch gut. Unbeschadet stehen wir dann vor dem israelischen Schlagbaum. Freundlich stellt sich uns eine Grenzbeamtin vor und funkt dann heftig mit ihrem Walky-talky. Plötzlich tauchen sechs Beamte auf und schieben große Rollcontainer vor sich her. Wir sollen an der Seite parken und dann geht es los. Einmal bitte das Auto ausräumen und in die Container packen für die Kontrolle. Was denn – alles? Auch leere Dosen, unsere Schmutzwäsche, Bücher und Lebensmittel? „Ja alles“ ist die Antwort und wir fangen an. Das ist wie ein kleiner Umzug!

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Tom räumt aus dem staubigen Gepäckraum alle Werkzeuge und Ersatzteile raus, ich vorne alle Schränke leer. Nach nur 1,5 Stunden ist alles in den Rollcontainern verstaut und wird dann Kiste für Kiste wie im Flughafen durchleuchtet. In der Zwischenzeit „filzt“ der Zoll den leeren Rhino. Als wir wieder beim Einräumen sind, fordert uns ein Zöllner freundlich auf, einmal „kurz mit ins Büro zu kommen“. Ich bin genervt und bitte Tom den Job zu übernehmen. Was wir zu dem Zeitpunkt noch nicht ahnten, denn wir wähnten uns ja schon „durch“, ist eine Vernehmung zu einer nicht erlaubten Einfuhr. Nein, wir hatten weder Handgranaten, noch Pistolen an Bord, aber eine kleine Dose mit Muscheln wurde entdeckt. Wo die Muscheln her sind – gefunden an diversen Stränden in Afrika. Was das für Samenkörner sind – keine Ahnung, die hat meine Frau gesammelt. Ob wir auch im Sinai Muscheln gesammelt hätten und so weiter und so weiter. Tom beantwortet alle Fragen wahrheitsgemäß, es ändert aber nichts an der Tatsache, dass wir für die unerlaubte Einfuhr 150 Euro zahlen müssen und unsere Fundobjekte natürlich dem Zöllner überlassen müssen. Der hat jetzt wahrscheinlich ein paar schöne neue Stücke in seiner Sammlung und wir sind etwas ärmer und an Erfahrung reicher.

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Nach gut 4 Stunden verlassen wir dann endlich bei Einbruch der Dunkelheit das Zollgelände und sind völlig K.O.
Da sind wir doch froh über den Tipp des Zöllners, dass wir nur ein paar hundert Meter weiter am Strand wunderbar übernachten können. Und in der Tat sind wir nicht die einzigen die das tun, sondern diverse Israelis tun dies mit Zelten, Wohnwagen und sonstigen provisorischen Behausungen. So etwas hatten wir in den letzten Monaten noch nicht erlebt!

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Auch sind wir völlig überrascht, als am anderen Morgen schon bei Sonnenaufgang (gegen 6 Uhr), Alt und Jung an unserem Rhino vorbei joggen. Israel scheint ja ganz anders zu sein, als Afrika oder Arabien. Und das ist es wirklich. Seit über einem Jahr sind wir wieder in einem Land, in dem wir nicht auffallen. Alle tragen hier Klamotten wie wir und alle haben unsere Hautfarbe. Hier wird der Müll getrennt und liegt nicht auf der Straße rum.

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Auf perfekten Teerstraßen sind moderne Busse unterwegs und Fußgänger empfinden Ampeln nicht als freundliche Empfehlung, sondern bleiben bei rot auch wirklich stehen. Straßenhinweisschilder sind in hebräischer, arabischer und lateinischer Schrift. Freundlich verweisen sehr große Schilder auf eventuelle Kamele entlang der Straße.

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Wir sind völlig überrascht und fahren staunend in Richtung Norden. An einem großen Einkaufscenter stoppen wir und ich trinke einen „Kaffee Soy-Latte“ während wir über WLAN im Internet surfen. Noch in der Tür vom Cafe wird Tom von einem Einheimischen angesprochen und zu unserem Fahrzeug befragt. Barak, so heißt der Gute, ist vor 20 Jahren auch einmal auf der Ostroute nach Kapstadt gefahren und möchte uns nun zum Mittagessen einladen. Das müssen wir leider ablehnen, da wir uns vorher schon bei McDonalds den Bauch voll geschlagen haben. Eine nette Unterhaltung haben wir aber trotzdem und nur kurze Zeit später auch einen neuen Abonennten unseres Blogs.

Im Hafen von Ashdod klären wir alles zur Verschiffung unseres Rhinos, erfahren aber auch, dass das Frachtschiff erst 2 Tage später als geplant, nämlich am 9.11. starten wird. Diesmal verstimmt uns das gar nicht, denn damit haben wir noch ein wenig mehr Zeit für die Entdeckung Israels.

Und haben wir es nicht schon immer gesagt, die unerwarteten Dinge sind meist die Besten? Was hatte ich denn von Tel Aviv schon für eine Vorstellung? Groß, aber sonst gar nichts. Mehr zufällig geraten wir am anderen Morgen auf der Suche nach einer Post in das Zentrum. Wir mussten ja noch unsere „Muschel-Schmuggel-Strafe“ bezahlen.

In Strandnähe findet sich dann auch ein Parkplatz, der der Rhino-Größe gewachsen ist und wir brechen zu Fuß in Richtung Zentrum auf. Zwischen modernen Hochhäusern liegen immer wieder kleine Straßen mit netten Häusern, Cafes und Parks. Alles ist sauber und es liegt eine fröhliche Leichtigkeit in der Luft.

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Unsere Erledigung sind bald abgehakt und so schlendern wir durch die Gassen (wir haben ja keinen Stadtplan und keinen Reiseführer). Dann kommen wir ins Marktviertel und mal wieder aus dem Staunen nicht raus. Obst, Gemüse, Brot, Gewürze, Oliven, Käse – alles in riesigen Mengen, wird präsentiert und eifrig gekauft. Hier hat fast jeder einen Einkaufstrolley und die werden bis oben hin gefüllt mit allerlei leckeren Dingen und durch die engen Gänge geschoben. Wir trinken frischen Granatapfelsaft, essen leckeres Brot mit Grillfleisch und kaufen fleißig Obst ein. Es ist eine wahre Freude!

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Als wir in Richtung Parkplatz gehen, finden wir noch ein kleines Cafe für den Espresso (den hatten wir außer in der Bordküche bestimmt ein halbes Jahr nicht mehr). Schlomo, der Inhaber steht mitten im Cafe und singt. Sein Sohn spielt das E-Piano. Die Gäste im Lokal klatschen und auf der Straße singen die Menschen mit. Wir werden auf zwei Stühle verfrachtet und als ich bei der Kellnerin den Kaffee bestellen möchte, meint diese nur „kein Kaffee, während der Chef singt“. Zu unseren Ehren wird dann noch als letztes Lied eines in englische Sprache gesungen. „My Way“ hat auch Frank Sinatra nicht besser gesungen. Schlomo kommt dann zu uns, wir werden unsere Kaffeebestellung los und er erzählt uns seine Geschichte. Früher war er Hochschulprofessor, nun Rentner und habe sich in seinem Elternhaus einen Wunsch erfüllt. Kaffe sei seine Leidenschaft und er röste alles selbst. Wir besichtigen die Rösterei und sogar noch sein Appartement, dass er hin und wieder an Touristen vermietet.

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Wir sind kaum einen Tag in Israel und schon total begeistert. Diese offene und freundliche Art der Menschen, endlich mal wieder saubere Straßen und an fast jeder Ecke schöne Architektur oder Kunst. So überrascht fahren wir dann weiter in Richtung Jerusalem und werden morgen dort auf Entdeckungsreise gehen und Euch natürlich wieder darüber berichten.

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6 Antworten to “Überraschungen für go-to-africa”

  1. Marion 6. November 2011 um 10:30 #

    Unglaublich, so ein Theater wegen einiger Muscheln. Was soll man sagen- Willkommen in der Zivilisation? Viel Spass bei der ungeplanten Entdeckungsreise! Ihr solltet ein Buch veröffentlichen, so plastisch, wie ihr schreibt.

  2. Ingrid 6. November 2011 um 11:11 #

    Mit meinen Gedanken bin ich bei euch in Israel, wo ich in der Zeit zwischen 1971 und 1982 oft gewesen bin. Wollte sogar mal nach Israel auswandern… Genießt Jerusalem, genießt die schönen Seiten des Landes. Leider gibt es auch die andere (auch erlebbare, sichtbare) Seite. Wegen dieser Seite meide ich Israel seit 1982. Wenn ihr die Zeit haben solltet, schaut euch im neuen Jerusalem die Architektur an. Traumhaft. Und Jerusalem ist sowieso nicht zu toppen.

    Shalom

    Ingrid

  3. Des Teufels General 6. November 2011 um 11:12 #

    Zehn Dinge, die dich als Deutschen entlarven:

    – Dir fällt positiv auf, dass kein Müll rumliegt und der auch noch getrennt wird.

    (Jeder Leser darf ein weiteres Merkmal aufzählen)

  4. gitjeshorst 6. November 2011 um 13:01 #

    Na dann kann die Rückwärtsassimilation ja beginnen.

    Wartet erst mal, bis ihr wieder in Westeuropa seid: Das ist inzwischen ein Sammelsurium aus Bananenrepubliken geworden: Die Griechen und Italiener betteln uns sogar ausserhalb ihre Landesgrenzen an, wollen unsere Steuergelder aber nix dafür tun, in Deutschland schwanken die Politiker zwischen Steuererhöhung und Senkung lustig hin und her, man(n) kann Gold im Automaten kaufen – weil der EURO ja bald nix mehr Wert ist, und alle sind genervt. Da kommt einem Afrika manchmal klar geordnet vor.

    Willkommen zurück…
    Gerd

  5. Rolf 6. November 2011 um 13:33 #

    Die Israelis haben ja zur Zeit mächtig Schiss vor der atomaren Gefahr der Iraner. Da wundert es mich nicht, daß sie selbst harmlose Turis filzen. Oder habt Ihr etwa provokativ große Khomeini – Bilder im Fahrerhaus hängen? Geniesst die letzten Tage. Rolf.

  6. Rita Zittlau 7. November 2011 um 07:40 #

    Ja Hallo und habt Ihr direkt eine Grundreinigung vollzogen, Hi Hi ich glaube euch war nicht zum Lachen zu mute.
    Habt Ihr Sachen gefunden im Rhino die ihr garnicht mehr im Gedächtnis hattet, genauso wie Zuhause in den Schränken bei einem Umzug?
    Bis bald und viele tolle Erlebnisse noch.

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