Wer durch die Hölle will… muss verteufelt gut fahren!

14 Feb

Reisebericht von Tom

„Wer durch die Hölle will… muss verteufelt gut fahren!“ Dies war einmal ein Werbespruch aus den 1980er Jahren, ich glaube von der Zigarettenmarke mit dem Kamel. Auf unseren letzten „Geländeausflug“ hier in Malawi trifft das aber auch ganz gut zu – wir sind nämlich in der Zwischenzeit in Afrika in der Regenzeit angekommen, was die motorisierte Fortbewegung mitunter ein wenig erschwert 🙂 Wer nun mehr Details wissen möchte, darf hier gerne… weiterlesen.

Seit unserem letzten Reisebericht von der Insel Pemba sind einige Tage vergangen und wir haben ein paar hundert Kilometer abgespult. Wer unsere Reiseroute durch Tansania nachvollziehen möchte, kann dies auf der Seite MAP tun, die wir mal wieder aktualisiert haben (dort ist auch unsere Reiseroute durch Kenia zu finden).

All tracks in Tanzania

Wie man sieht, sind wir nach Pemba relativ zügig quer durch Tansania gebraust (vom Nord-Osten in den Süd-Westen, jede Farbe ist jeweils eine Tagesetappe) und befinden uns nun in Malawi am gleichnamigen See. Leider sind wird damit auch in die afrikanische Regenzeit „reingefahren“, die sich wie jedes Jahr in Januar – April zusammen mit der Sonne langsam von Süden nach Norden bewegt.

Regenzeit heißt nun nicht, dass es den ganzen Tag regnet, aber es ist nun ungefähr seit Iringa in Mittel-Tansania doch deutlich feuchter geworden. Das eröffnet aber ein paar interessante neue Perspektiven in Bezug auf die Fortbewegung auf rutschigen Pisten 🙂

Nun aber erst mal der Reihe nach: problemloser Grenzübertritt von Tansania nach Malawi am Dienstag, den 8. Februar. Visum für Malawi brauchen wir als Deutsche Staatsbürger keins, und den Einreise-Stempel in den Pass gibt es auch umsonst. Dafür dürfen wir 62 US$ „Road Tax“ (Strassenbenutzungsgebühr) bezahlen. Diese wird (nur für LKW, glaube ich) nach Entfernung berechnet und ist daher abhängig von der geplanten Fahrtroute in Malawi. Dafür sind jedenfalls die Hauptstrassen in Malawi auch in ordentlichem Zustand und es geht schnell voran, auch Dank des kaum vorhandenen Verkehrs – wir haben die Strasse fast für uns alleine…

Am Nachmittag des ersten Tages in Malawi erreichen wir die Chitimba Bucht am Malawi See. Von dort zweigt die berühmt-berüchtigte „Gorode-Road“ zur Livingstonia Mission ab (dort, wo unten auf dem Bild „Lake“ steht).

Tracks in Malawi 1, 450px

Diese ca. 5 Meter breite Strasse S103 (man sollte wohl besser „Waldweg“ sagen, denn die Strasse ist nicht geteert) erklimmt über nur 15 km in 20 Haarnadelkurven das 800 m höher gelegene Berg-Plateau.

IMG 8389

Für LKW ist diese Serpentienenstrecke laut unserem Reiseführer gesperrt. Doch als wir die Polizei fragen, die an der Abzweigung postiert ist, sagt uns diese, dass die Strecke nur für LKW über 10 Tonnen gesperrt sei. Glück gehabt – unser Rhino wiegt nur knapp 9 Tonnen und damit hat sich das „Legalitäts-Problem“ natürlich gelöst 🙂

Also los gehts, da die Strasse trocken ist kommen wir gut voran. In den Haarnadelkurven kommt zum ersten Mal in Afrika der 1. Gang der Gelände-Untersetzung zum Einsatz.

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Reversieren müssen wir nur einmal, und zwar in der allerletzten Haarnadelkurve. Da hat es sich doch bemerkbar gemacht, dass unser Rhino dank „nur“ 360 cm Radstand für einen LKW extrem wendig ist.

Auf dem letzten Stück der Bergstrecke machen wir eine Pause und hören hinter uns auf einmal das Motorgeräusch eines anderen LKW. Es sind, zu unserer Überraschung, Gerd und Monica aus Norddeutschland in ihrem Steyr. Wir hatten mit den beiden die letzten 2 Tage in einem Camp in Süd-Tanzania verbracht, uns aber dort schon voneinander verabschiedet, da die beiden eigentlich eine andere Route in Malawi geplant hatten. Unso größer ist die Freude, als wir uns hier mitten auf der Steilstrecke wiedersehen.

Zusammen gehts weiter zur historischen Mission nach Livingstonia. Dort hatten schottische Missionare am Anfang des 20. Jahrhunderts eine Missionsstation errichtet, um die „Wilden Afrikaner“ zum christlichen Glauben zu bekehren. Das Hauptgebäude, „Stone House“ genannte, ist heutzutage in Malawi ein Nationaldenkmal.

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Bermerkenswerterweise dürfen wir aber trotzdem genau neben diesem Nationaldenkmal für die Nacht campieren – that is Africa!

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Am nächsten Morgen besichtigen wir das Museum, welches im Stonehouse untergebracht ist und auch noch den Rest der sehr weitläufigen Missionsanlage (Kirche, Schule, Hospital). Zum Ende der Besichtigung gegen Mittag fängt es dann stärker an zu regnen. Aber im Gegensatz zu den vorherigen Malen hört es nun nicht nach wenigen Minuten wieder auf, sondern es regnet sich ein. Da stellt sich natürlich die Frage, wie wir mit unseren LKW wieder von Berg runterkommen?

Die Serpentinen-Strecke zurückzufahren, die wir gestern hochgekommen sind, scheidet bei dem Wetter von vornherein aus. Runterfahren ist immer schwieriger als hochfahren, und im Nassen ist uns das einfach zu gefährlich. Also entscheiden wir uns für die „lange“ Strecke, die in 60 „flachen“ anstatt 15 „steilen“ Kilometern das Hochplateau sozusagen „hintenrum“ wieder verläßt (die Strecke ist auf der Karte oben mit BLAUEM Track eingezeichnet).

Leider (oder zum Glück? – das kommt drauf an wen man fragt… 🙂 verläuft auch diese Piste nicht schnurgerade, sondern windet sich in vielen Kurven und auch einigen Spitzkehren den Berg hinunter und auch ab und zu wieder hinauf. Wir fahren äußerst vorsichtig, um auf der pitsch-nassen Strecke nur ja nicht ins rutschen zu kommen und im Strassengraben zu landen. Die meisten anderen Fahrzeuge die wir sehen stehen am Strassenrand und scheinen auf besseres Wetter zu warten… Es wird aber erst mal nicht besser, sondern es regnet ohne Unterlaß. Die Bilder unten geben leider nur ein schwaches Bild der tatsächlichen Schwierigkeiten (bei der nächsten Gelegenheit werden wir hier im Artikel auch noch ein Video der Tour einstellen, welches Monica aus dem hinteren Steyr-LKW gedreht hat).

Und hier ist nun (27. Feb 2011) das versprochene Video:

Aber da wir mit zwei LKW unterwegs sind, ist es schon ein gutes Gefühl zu wissen, dass der eine den anderen notfalls auch wieder aus dem Graben rausziehen könnte…

*Anmerkungen einer Beifahrerin: Es mag ja sein, dass wenn Mann das Lenkrad in der Hand hat und „die Straße“ spürt, alles ganz easy ist. Ein bißchen gegenlenken wenn der LKW wieder ausbricht, den Drift in der Kurve ausnutzen, die Kraft des Motos spüren, wenn er sich im ersten Geländegang hoch über den halb weggespülten Weg zieht. Auf der Beifahrerseite ist das ganz anders. Aus etwa 1,70 Meter Höhe schaut Frau in den Abgrund. Manchmal nur noch eine Handbreit entfernt. Äste schlagen gegen die Fenster und an den tiefsten, schlammigsten Stellen hat Frau ständig das Gefühl, jetzt heißt es gleich aussteigen. Aussteigen, bis zu den Knien im Schlamm versinken und mit dem Stahlseil der Seilwinde zum nächsten Baum „schwimmen“. Schlamm spritzt auf, es regnet in Strömen, aber wir schaffen das. Das einmal zu dem kleinen Film, der im Kopf einer Beifahrerin so abläuft. Aber am Ende des Tages kann ich dann sagen, ich bin erstaunt, was die beiden so drauf haben. Rhino als auch Tom. Ein gutes Gefühl.

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Wir kommen nur langsam voran, ca. 20 km pro Stunde. Nach 2 Stunden läßt der Regen dann nach und die Strasse wird trockener und auch wieder etwas breiter – geschafft!

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Nachdem wir dann endlich wieder auf Asphaltstrasse angekommen sind, müssen wir „nur“ noch 80 km zu unserem Camp für die Nacht zurückfahren, welches sich eigentlich nur ca. 5 km (Luftlinie) von unserem Ausgangspunkt entfernt befunden hat.

Am nächsten Tag legen wir dann natürlich erst mal einen Ruhe- und Waschtag ein – siehe Bilder unten – und klopfen uns ausgiebig gegenseitig auf die Schultern, wie toll wir diese abenteuerliche Fahrt über die glitschige Piste geschafft haben 🙂

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Viele Grüße vom Malawi-See senden Euch

Tom & Dag

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Eine Antwort to “Wer durch die Hölle will… muss verteufelt gut fahren!”

  1. Ulrike 16. Februar 2011 um 21:47 #

    … die „Straße“ erinnert mich ein wenig an die aus dem Film „Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten“. Da war der Schauplatz zwar wohl irgendwo in Südamerika (glaube ich), aber es sah da wirklich ähnlich aus. Vielleicht liegen in Malawi ja auch irgendwo noch grüne Diamanten versteckt 🙂

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