Usambara-Mountains

17 Jan

Reisebericht von Tom

Die ersten zwei Wochen des neuen Jahres 2011 hatten wir in und um Tansania’s „Touristenhochburg“ Arusha verbracht. Jahreswechsel-Feierlichkeiten, unsere kurz vor Ankunft vereitelte Expedition zum Mount Lengai (der heilige Berge der Massai), unsere geglückte Besteigung des Mount Meru und schließlich der lange geplante Besuch „unseres“ Vorschulprojekts in Tansania hatten uns hier so lange ausharren lassen.

Die Atmosphäre in der Stadt, durch die jährlich angeblich 500.000 der insgesamt 700.000 tansanischen Touristen geschleust werden, fanden wir jedenfalls nicht so toll. Überall in der Stadt wurde man angequatscht, ob man nicht eine Safari-Tour in die Serengeti oder den Ngorogoro-Krater oder etwas ähnliches buchen wolle – eben so, wie es die Mehrzahl der hier durchkommenden „Touris“ macht. Überhaupt hatten wir öfter als in den bisher besuchten afrikanischen Ländern den Eindruck, hier als Reisender in erster Linie als wandelnde Geldbörse und nicht als Gast oder gar „Mensch“ wahrgenommen zu werden.

Sind das vielleicht die Auswirkungen des Wohlstandstourismus in einem Entwicklungsland wie Tansania?

Jedenfalls freuten wir uns Mitte Januar beide, nach unserem Besuch des Vorschulprojekts die Region Arusha endlich verlassen zu können. Es ging ca. 300 km weiter Richtung Süd-Osten, vorbei am Kilimandscharo hinein in die Usambara-Mountains (roter Track auf der Karte unten).

Richtig, da kommen die Blümchen her, die man von der heimischen Fensterbank kennt und mit denen man sich als „Schwiegermutters Liebling“ anbiedern kann. Dort waren wir mit Kathrin und Eckhardt aus Kiel verabredet, die wir im April 2010 bei unserer Rhino-Testtour in Süd-Marokko getroffen hatten. Die beiden waren in Marokko noch am Anfang ihrer Reise durch West-Afrika bis runter nach Namibia, und nun kamen sie uns auf der anderen Seite Afrikas ein Stück entgegen… wie praktisch 🙂 Wir hatten seit damals Kontakt und nun trafen wir uns tatsächlich mal eben in Tansania.

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Unser Camp und Treffpunkt war überhalb eines Hangs auf der ‚Irente Farm‘; der Blick vom Platz ging weit über die bewaldeten, sattgrünen, immerhin bis fast 2000 Meter hohen Usambara-Berge.

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Das Klima war äußerst angenehm. Kühle Luft morgens und abends, tagsüber T-Shirt-Wetter, ideal zum wandern, was wir zusammen mit den beiden und ihrem Hund Paco auch gemacht haben.

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Bei der Wanderung hatten wir unserem Führer (hier in Tansania braucht man eben für alles einen Führer, was in Deutschland ja inzwischen nicht mehr so beliebt ist…) als Aufgabe aufgegeben, uns die endemischen 2-Horn-Chamäleons zu zeigen. Und das hat der Gute dann auch prima hingekriegt, vier Stück dieser urigen Viecher konnte er für uns aufspüren; wir hätten Dank deren perfekter Tarnung kein einziges gesehen…

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Die Kolonialdeutschen haben die Usambara-Berge in der Kolonialzeit vor dem ersten Weltkrieg als Sommerfrische genutzt (eventuell hat sie die Gegend auch einfach an die heimischen Voralpen erinnert…) und kurzfristig überlegt, die tansanische Hauptstadt von Bagamoyo hierher zu verlegen. Die Anfahrt über Täler und Schluchten war dann aber wohl doch ein wenig zu aufwändig. Da beließ man es eben dabei, in den Monaten Dezember bis Februar, dem „tansanischen Sommer“, der am Meer recht heiss und schwül sein kann, die Regierungs- bzw. Verwaltungsgeschäfte von hier aus zu tätigen. Von der früheren Anwesenheit der Deutschen in Lusotho (ehemals Wilhelmsthal) ist aber heute kaum noch etwas zu bemerken. Es gibt zwar noch ein paar „solide“ deutsche Gebäude und der Bau-Stil der Kirche im Zentrum ist eindeutig Deutsch, aber sonst ging dort bei unserer Stadtbesichtigung auf eigene Faust alles seinen gewohnt lässig-afrikanischen Gang!

In den Umsambara-Mountains durfte ich dann auch noch meinen 46. Geburtstag feiern. Da dieser auf einen Montag fiel, gab es den von Dag gebackenen Geburtstags-Kuchen schon einen Tag früher (also am Sonntag), bevor ich dann an meinem Ehrentag von Dag mit einem selbstgebastelten afrikanischen Windspiel und einem interessanten Buch beschenkt wurde. Kathrin und Eckhardt hatten auch tolle Geschenk-Ideen für mich, obwohl sie am Vortag noch gar nichts von meinem Geburtstag wußten: die beiden haben mich mit einem kleinen Becher Nutella sehr glücklich gemacht, den sie aus ihrem erst kürzlich in Afrika erstandenen 750 Gramm Glas entbehren konnten. Außerdem gab es von den beiden als Zusatzgeschenk noch aufklebbare Front- und Rückstrahler für unseren Rhino, die in Sambia gesetzlich vorgeschrieben sind. Wenn das mal beides nicht echt passend war!

Und noch ein „Geschenk“ gab’s für mich am 17. Januar: auf dem Weg von den Usambara-Mountains an die tansanische Küste sind wir doch tatsächlich in eine Radarfalle der Verkehrspolizei geraten. Auf der von uns befahrenen Haupt-Verbindungsstrasse (einzige grösse Strasse in ganz Nord-West-Tansania) soll ich doch tatsächlich eine Tempo-30 Zone in einer Ortschaft übersehen haben? Der Polizist hielt mir die Radar-Pistole unter die Nase, die Tempo 60 anzeigte. Wie wir im Nachhinein (!) in unserem Reiseführer gelesen haben, ist diese Strasse in ganz Ostafrika für die Tempo-30 Radarfallen-Abzocke bekannt…

Aber als ich „meinem“ Polizisten mit einem treuherzigen Augenaufschlag…

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….versichert hatte, das wir in den vergangenen 4 Monaten in ganz Afrika noch NIE Probleme mit der Polizei gehabt hätten (DAS stimmt auch!) und dass ich als Deutscher natürlich alle Verkehrsregeln und insbesondere Tempo-Limits immer peinlich genau beachten würde (DAS war ein bißchen übertrieben…), beließ er es doch tatsächlich bei einer mündlichen Verwarnung!!! Meinen „Heute ist übrigens mein Geburtstag!“-Joker mußte ich also gar nicht ziehen… sondern ihn quasi „verfallen“ lassen – unglaublich, oder?

Viele Grüße (aktuell aus Tanga am indischen Ozean – zurück aus Pemba – alles ist gut!)

von Tom (und Dag natürlich)

PS: Ich müßte ja eigentlich mal wieder zum Friseur, aber die Klasse der hier anzutreffenden Etablissements läßt mich doch vor einem Besuch zurückschrecken… 🙂 (siehe Bild unten)

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Eine Antwort to “Usambara-Mountains”

  1. Gerd 31. Januar 2011 um 17:59 #

    Erster!

    Schön mal wieder einen Bericht zu lesen. Diesmal so ganz ohne grosse Abenteuer und ohne lange Schadensliste am Rhino. Scheint ja echt eher das Allgäu als das Afrika Feeling bei euch zu herrschen. Bringt euch gefühlt bis auf wenige Kilometer der Heimat nahe 🙂

    Hoffe, wie können bald mal wieder skypen…

    Gerd

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