Off-Road Tag

12 Jan

Tja, heute durfte ich dann endlich mal den Landy seiner standesgemäßen Bestimmung zuführen: OFF-ROAD! Die Wahl fällt wegen unserer mangelnden Off-Road Erfahrung und fehlendem GPS auf eine der kürzesten Pisten die unsere Reiseführer hergibt: angeblich „nur“ 88 km Piste ab Zagora.

In Zagora ohne Probleme den Einstieg zur Piste gefunden, es geht nämlich erst einmal auf der Teerstrasse Richtung Flughafen (sehr praktisch!). Nach dem Abzweig zum Flughafen hört es dann schlagartig auf mit der Teerstrasse und die Weite des marokkanischen Wüstensandes liegt vor uns.

Am ersten Abzweig fragen wir sicherheitshalber erst mal eine paar zufällig anwesende Bauarbeiter, ob dies auch die Richtige Piste in Richtung Bleida sein. Die Herren kratzen sich erst mal am Kopf (und noch woanders) und dann gibt uns einer wild gestikulierend zu verstehen, dass die Piste nach Bleida GAAANZ woanders lang laufen würde. Völligen Blödsinn, wie sich im Laufe der nächsten ½ Stunde Wegsuche und nochmaligen Nachfragen bei Einheimischen Touareg rausstellt. Wir waren bereits auf der richtigen Piste… (Wenn wir ein GPS gehabt hätten, hätten wir das natürlich auch gleich gewusst… aber so neumodisches Zeugs haben die Touareg ja auch nicht…)

Also geht’s weiter. Ich lasse es erst mal ein bisschen zu forsch angehen – rein geschwindigkeitsmäßig… Bei der ersten größeren Bodenwelle verteilt sich erst mal der Inhalt unserer Vorratskisten auf dem Boden des Landy. Dagmars Blick wird „kritisch“… Ich sag noch: „wenn das mit der Piste schlimmer wird, drehen wir lieber wieder um“ und fahre ab da ein bisschen vorsichtiger ?

Aber dann geht es ganz gut. Ebene Piste, ab und zu mal Sand-Felder, die aber „mit Schwung“ durchpflügt werden. Es gibt immer wieder (alle 20 min oder so) Leute am Wegesrand, die wir nach der Richtung fragen können – die stimmt aber, ganz grob wenigstens. Die Sandpiste wandelt sich zusehends zur Stein-Piste. Nach ca. 2 Stunden beginnt das Gebirge. Es geht also im wahrsten Sinn des Wortes aufwärts.

An einer Gabelung ist es unmöglich zu sagen, ob wir rechts oder links rum müssen. Sieht beides schlecht aus. Da rechts in der Ferne ein alter Ford Transit auf der Strasse steht und da ein paar Leute dabei stehen, fahren wir rechts – da können wir wenigstens nachfragen. Im Nachhinein war es ein Segen für den Fahrer des uralten Ford Transit, dass wir uns so entschieden haben, der war dort nämlich OHNE BENZIN liegen geblieben. Endlich kommen unsere Reserve-Kanister mal zum Einsatz (wenigstens einer). Der Havarist ist überglücklich und bedankt sich 1000x für die Hilfe. Außerdem lässt er uns wissen, dass wir „nach Tasla“ auf der falschen Piste sind. Also fahren wir die 2 km bis zur fraglichen Gabelung zurück und nehmen den anderen Abzweig.

Kurz danach wird die Strasse nicht nur noch steiniger, steiler und schmaler, sondern ist auch noch von einer tiefen Mittelrille vom ablaufen Wasser durchzogen. Aber der Landy zieht eben auch durch! Trotzdem: wenn wir nicht vor 10 Minuten gefragt hätten, würde ich wetten, dass wir auf der falschen Piste sind.

So aber geht es erst immer weiter bergauf und danach ebenso steil und schmal wieder bergab (logisch, oder?). Damit haben wir den schwierigsten Teil der Strecke hinter uns. Auf der anderen Seite des Berges erwartet uns ein schöner Palmenhain, den wir durchfahren.

Allmählich zieht es sich. Wir sind nun schon 3 ½ h unterwegs mitten auf einer Strecke, für die ich insgesamt maximal 3 h eingeplant hatte. Es geht wieder bergan, dann bergab, usw. Die Piste folgt für lange Zeit einem Flussbett. Zum Glück haben wir wenigstens den Kompass, der uns sagt, dass wir GAAANZ grob in die richtige Richtung unterwegs sind, nach Nord-Westen. Ein paar Hirtenmädchen am Wegesrand bestärken uns durch wildes Gestikulieren in unserem Gefühl: Richtung „passt schon“. Zum Dank bekommen sie zwei Kugelschreiber geschenkt und freuen sich riesig.

Als wir beide denken „jetzt muss doch endlich das Ende der Piste kommen“ kommen wir zu einem Bergbau-Gebiet. Laut unseren 1:1.000.000 Karte wird hier Kupfer abgebaut. Deshalb hatten auch die Felsen entlang der Piste immer wieder mal so grünlich geschimmert (oxidiertes Kupfer). Mit Blick auf der Friedhof direkt neben den Bergwerk bemerkt meine Liebe ganz trocken, dass der Bergbau hier in Marokko wohl auch nicht ganz ungefährlich sein…

Blöd nur, dass auf unserer Karte der Kupferbergbau erst bei der Mitte der Strecke eingezeichnet ist… Aber wenigstens sind wir (immer noch) auf der richtigen Piste. Also: Gas! Inzwischen habe ich den Landy ganz gut im Griff (meine ich wenigstens) und mein Fahrstil wird wieder ein bisschen verwegener. Meine Navigateuse schweigt. Ich frage sie, ob es ihr übel wird, was sie aber verneint. Dann muss ich mich wieder aufs fahren konzentrieren… ?

Dann endlich: nach 120 km Piste kommen wir wieder auf eine Teerstrasse – zurück in der Zivilisation – dachten wir. Allerdings sind die nächsten 40 km auf dieser Strasse fast noch schlimmer als vorher – so eine schlechte Teer-Strasse habe ich noch nie befahren. Teilweise ist sind rechts und links der Teerstrasse wieder Pisten rausgefahren worden, die deutlich besser als die ehemals geteerte Mittelspur sind.

Nach 4 ½ Stunden und 160 km hat das Offroad-Abenteuer dann (leider) ein Ende. Hat zwar VIEL längern gedauert als gedacht, war aber ein Riesen-Spaß und am Landy ist auch noch alles heil. Nur von innen ist der Wagen ein wenig verstaubt – Off-Road Patina!

Die restlichen Kilometer über die normale Strasse verlaufen problemlos. Leider kommen wir vor der Dunkelheit nicht mehr bis zu unserem Ziel-Ort, so dass wir uns in einem kleinen Nest am Rande der Strasse wieder ein schäbiges kleines Hotel suchen müssen. Ist aber dann doch nicht ganz so schlimm wie das „Hotel Economique“.
„That’s Life“ und As salâmu alekûm!

Thomas

DAG: Nach so einem Bericht, erwarte ich aber jetzt erste Kommentare der Landy-Fahrer unter Euch ?. Gruss.

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