Inseln der Langeweile – Urlaub am Golf von Etoscha

23 Jun

Reisebericht von Marike & Knud

KS205463

Nachdem wir jetzt schon eine Zeit hier in Namibia unterwegs sind, können wir gar nicht mehr nachvollziehen, wie man dieses Afrika so lange aushält wie Dagmar und Thomas. Eigentlich passiert hier den ganzen Tag nichts, aber davon dann doch eine ganze Menge. Über den Flug und die ersten Tage haben unsere Vorredner (äh Schreiber) berichtet, aber jetzt soll auch mal die ganze Wahrheit ans Licht gebracht werden.

Tag Eins – Und wo sind die wilden Tiere?!

Als wir am Freitag Abend (wahrscheinlich, da das Zeitgefühl hier ein bißchen verrückt spielt) den Etoscha Nationalpark durch das Anderson Gate befuhren, waren nur ein Giraffenpaar und einige Zebras als Empfangskomitee von der Parkverwaltung bereitgestellt worden. Von wegen jede Menge wilde Tiere…

Im Camp Okaukejo hat man uns dann ein Stück Savanne zugewiesen um unsere primitiven Wohnungen für unterwegs auszubreiten. Nicht mal Bäume zum Installieren der improvisierten Wäschespinne hätte es da gegeben. Also zurück zur Rezeption und erstmal Campsite getauscht. Da das Dachzelt schon halb aufgebaut war, sind wir dann, natürlich unter Beachtung der geltenden Verkehrsregeln (???), als Karawane aus Monstertoyota, Zelt, Marike und natürlich Rhino umgezogen. Das war dann doch ein bißchen abenteuerlich. Kurz danach setzte die gewohnte Langeweile wieder ein: Am campeigenen Wasserloch (bei uns würde man einfach Gartentümpel sagen) wussten die Scharen von Zebras und Springböcken genauso wenig mit sich anzufangen wie wir. Kaum Richtung Abendessen aufgebrochen, müssen dann die ersten Nashörner aufgetaucht sein. Uns hat natürlich keiner Bescheid gesagt. Buschfunk kaputt?!?

Tag Zwei – Besser spät als nie.

Aufstehen um 06:00 Uhr Ortszeit. Das ist Urlaub!!! Angeblich sollen in der Dämmerung am Wasserloch spektakuläre Dinge geschehen. Aber nix wars. Die unausgeschlafenen Zebras haben sich erstmal ihr MakeUp im Spiegel angeschaut (siehe Bild oben) und die Streifen wieder gerade gezogen. Ansonsten wieder nur Springböcke, von uns schon liebevoll Schafe Afrikas genannt, und ein paar Schakale. Welch ein Spektakel?!?

KS205729

Der ganzen Tag im Park und die magere Ausbeute lässt sich schnell zusammenfassen: ca. 1000 Springböcke, 200-500 Zebras (die Kühe der Savanne), 50 Schwarznasen-Impalas (halt auch nur ne Antilope), 10 Giraffen, 4-5 Oryxe und 1 Gnu, das sich in einer Herde Zebras versteckte (dämlich).

KS195112

Als wir fast schon aufgeben wollten und auf dem Weg zurück zum Camp waren, ist dann doch noch was passiert: Da steht ein Pf… äh Elefant auf der Straß und versucht doch tatsächlich zu verhindern, daß wir pünktlich zurück sind. Man bekommt nämlich unter Androhung von mittelbarer Gewalt (Löwen haben immer Hunger…) vorgeschrieben wann man daheim zu sein hat: Ausgang von 05:30 Uhr an genau 12 Stunden. Also schnell ein paar Fotos geschossen (Kugeln darf man ja nicht) und weiter gehts. Denkste, gleich noch so ein Rüsseltier und noch eins, und noch eins, und noch eins. Schon nicht mehr wirklich spannend aber trotzdem ein nicht vorhergesehner Zeitverlust.

KS185019

Abends gehts wieder zum Tümpel, in der Hoffnung endlich mal ein wildes Tier zu sehen. Als dann schließlich doch noch ein Nashorn auftaucht wird man das Gefühl nicht los es wäre von der Parkleitung engagiert worden. Es kommt an, dreht ein paar Runden um das Wasserloch, posiert vor jeder der Tribünen und bewegt sich dabei so wenig, daß sogar langzeitbelichtete Bilder was werden können. Und uns hat mal wieder keiner Bescheid gesagt und das Stativ ist noch im Auto. Also schon wieder ein voller Erfolg und kein schönes Foto für den Blog. Das einzig halbwegs spannende war der Kampf eines kleines Springbocks (Wüstenbambi) gegen zwei Schakale. Die waren allerdings nicht in der Lage irgenwas ausrichten und mussten ihre Kumpels zu Hilfe rufen. Da auch bei sechs gegen eins nicht wirklich was vorwärts ging und die ganze Szene doch eher schlecht ausgeleuchtet war, haben wir nach geschätzten 2 Stunden gelangweilt aufgegeben und sind zurück ins Dachzelt gekrochen. Das Nashorn hatte sein Geltungsbedürfniss zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht gestillt und pilgerte zum 20sten mal um den Tümpel, in der Hoffnung daß doch noch jemand ein Bild macht.

Tag 3 – Löwen: Könige der Tiere oder zu dumm zum Jagen?

Same procedure as every day. Morgens zum Wasserloch um Zebra Nummer 1387 bis Nummer 1926 zu „bestaunen“ und dann endlich Frühstück. Aber schon wieder macht uns ein Elefanatiker einen Strich durch die Rechnung. Der tänzelt tatsächlich eine geschlagene Stunde um diesen Tümpel herum und geht dann noch nichtmal richtig baden. Wir sitzen da mit knurrendem Magen und es passiert wieder mal: NICHTS.

KS195196

Nachmittags auf dem Weg ins nächste Camp machen wir die nächste Erfahrung mit dem Buschfunk und bekommen einen Tipp: angeblich sollen in der Nähe der Hauptstraße bis zu acht Löwen unterwegs sein. Also weichen wir – im Gegensatz zum Rhino – von der geplanten Route ab, mit dem Ergebnis daß die Familie Girod die Löwen sieht – und wir nicht. Diese blöden Katzen sind doch tatsächlich weitergezogen. Aber nicht mit uns! Kaum hat uns Thomas nähere Infos zu den Koordinaten des Rudels gegeben, geht es mit vollem Tempo (60 km/h sind erlaubt) dorthin. So schnell kann man aber fast nie fahren, weil ständig eines von diesen Viechern meint, es könne einfach mitten auf der Straße stehen. Dann heißt es Vollbremsung und alles wird wieder eingestaubt.

KS195264

Als wir endlich an der richtigen Stelle angekommen sind, liegen sie dann auch im Busch, aber völlig versteckt. Wenn wir schon extra so weit hierher reisen, könnten die sich doch auch ein wenig auffälliger positionieren! Und dann passiert erstmal: NICHTS. Mindestens 5 Minuten dauert es bis die erste Löwin sich bequemt dochmal aufzustehen und in Richtung einer Wasserstelle loszulaufen. Aber sehr gemächlich. Nach und nach folgen dann auch die anderen sechs. Aber immer so, daß man sie nicht alle auf einmal in ein Foto quetschen kann.

KS195356

Die fächern sich richtig auf. Und dann – völlig ohne Vorwarnung – ist auf einmal ein riesiges Tohuwabohu, wie man hier in Afrika sagt. Alles sprintet, rennt, Zebras, Böcke springen, Löwen überall Chaos. Wie soll man da denn auch nur ein einziges richtig gutes Bild hinbekommen? Als sich der Staub verzieht ist das Ende vom Lied wiedermal: NICHTS. Kein Blut, kein Mahl, kein Bild vom großen Fressen.

KS195362

Also ab ins nächste Camp Halifari Halali oder so ähnlich (wer soll sich das auch merken?). Hier ist alles ein bißchen 70er. Rosa-orange Toilettenhäuschen und ein Tümpel der viel mehr so in die natürliche Umgebung integriert ist um die armen Tierchen nicht so zu beeinflussen in ihrer Lebensweise. Wir setzen uns, diesmal mit Stativ bewaffnet, auf die blanken Steine (hart aber wenigstens warm). Im Allgemeinen ist es hier nachts nämlich irgendwo zwischen Bodenfrost und Arschkalt. Dann geht die Warterei wieder los. Um es kurz zu machen, ganze fünf Tiere konnte man sehen: Drei Nashörner die nur so halbherzig aufeinander losgegangen sind, ein Leopard der so feige war, daß er sich fast die ganze Zeit hinter einem Baum versteckt hielt und sich nichtmal trinken traute und eine Tüpfelhyäne die nichts gemacht hat, außer kurz zu trinken und den lustigen Leo ganz zu vertreiben. Ganz toll.

Tag 4 und 5 – Hinterhältige Elefanten und Rhinos Rache.

Die wahre Natur der Tiere zeigt sich erst in ihrem natürlichen Habitat. So ein geduldiger und empfindsamer Dickhäuter kann durchaus auch echt fies und agressiv sein und nicht nur Zeit kosten. Auf dem Weg zum (endlich) letzten Camp beim Namus Toni (haben wir leider nicht kennengelernt), sahen wir am Horizont ein besonders schönes Exemplar aufziehen. Also nichts wie hin:

KS205514

Hatte uns dieses gemeine Männchen doch tatsächlich in eine Falle gelockt. Das hatte er sich schön ausgemalt; wir alleine und wehrlos! Ha!! Nicht mit uns und vor allem unserem Begleitschutz, einem großen weißen Rhino. (Nein, kein Phantasiefreund und es liegt auch nicht an den rosa Pillen die wir jeden morgen schlucken.)

KS205516

Als wir am nächsten Tag eines dieser durchtriebenen Rüsseltiere alleine auf einer Straße schlendern sahen, entdeckte unser weißer Freund seinen Jagdtrieb und hetzte den Elefanten über eine Landzunge quer durch den Golf von Etoscha. Kurzer Einschub: Sollte hier nicht Trockenheit herrschen? Alles nur Touri-Nepp! Wasser so weit das Auge reicht!!! Aber zurück zu Rhinos Rache. Anstatt einfach von der Straße in die feuchte Steppe zu flüchten, läuft der Dickhäuter einen imaginären Riesenslalom ab und behält seinen Verfolger im Auge (nicht wörtlich nehmen).

KS215890

Nach einer fast schon langwierigen Hatz, der Elefant konnte kaum noch tröten, ZACK!!! Dreht sich das Ding!!! Stellt die Ohren auf, nimmt Kopf und Rüssel hoch und sieht jetzt echt ein wenig einschüchternd aus.

KS215874

Rhino – Angst ?!? Rückwärtsgang rein und ein bißchen Abstand. Nur wenige Minuten später -in der Zwischenzeit sind noch eine Herde Gnus und mehrere Giraffen vor dem Spektakel geflohen (wenn’s einmal was zu sehen gibt… Doof von denen) – herrschte schon wieder die selbe Eintönigkeit wie die letzten Tage. Der Elefanatiker geht planschen und wir langweilen uns an einem neuen Tümpel.

Morgen wird bestimmt wieder so ein ereignisarmer Tag ;-). Wir freuen uns mittlerweile schon auf gemütliche Fernsehabende zu Hause!!! Eventuell schreiben wir demnächst auch mal wieder einen Reisebericht für go-to-africa. Sind ja noch ne Weile hier „gefangen“. Aber über was??

KS216007

Advertisements

8 Antworten to “Inseln der Langeweile – Urlaub am Golf von Etoscha”

  1. Ingo Girod 23. Juni 2011 um 16:47 #

    Zusammenfassen höre ich folgendes aus dieser ambitionierten Schilderung folgendes heraus:
    Namibia – das ist das Dänemark Afrikas. Quasi so interessant, wie ner Farbe beim trocknen zuzusehen.
    Vielleicht habt ihr ja Glück, und werdet noch von einem Rudel Löwen oder schwarzen Dänen überfallen, damit etwas Stimmung aufkommt.
    Ich drücke euch die Daumen!!

  2. Gerd 23. Juni 2011 um 19:11 #

    Endlich! Was für eine spannende Schilderung – das hätte ich auch gerne erlebt. Ich meine, dass mit den wilden Tieren. Das mit der Frische am Abend und in der Nacht hatte ich ja auch. Versteh gar nicht, was da langweilig ist. So kann man(n) doch prima entspannen.
    Was macht denn mein Nachfolger, Herr Daktari?

    P.S kommen gerade von einer aufregenden Radtour am Rhein zurück. Hatten Sonne, Wind und Regen. Leider hab ich eine Schnecke angefahren, die nicht schmell genug über den Radweg kam.

    Gruß Gerd

    • Benni 23. Juni 2011 um 22:15 #

      Flüster, Flüster, hallo Gerd,
      Papi überfährt leider auch immer die Chamäleons auf der Straße…
      Muss leider aufhören, Papi kommt 🙂
      Gruß Benni

    • Daktari 23. Juni 2011 um 22:22 #

      Daktari wird sich bald ( mit einen neuen Kollegen namens Benni ) wieder zu Wort melden.
      Mit einen coolen neuen Artikel!!!
      Gruß Daktari

  3. Marion 23. Juni 2011 um 19:27 #

    Selten einen so langweiligen Kommentar über lustige Aktivitäten gelesen- oder doch umgekehrt:-)? Habe mich sehr amüsiert und fühlte mich ein bisschen „live dabei“. Bitte mehr davon, Zeit genug habt ihr ja bei all der Langeweile! Und übrigens- sensationelle Fotos, die ihr da gemacht habt

  4. Gabi 23. Juni 2011 um 21:07 #

    Liebe Marike, lieber Knud,
    um beim von Ingo zitierten Rüdiger Hoffmann zu bleiben: Macht doch im nächsten Urlaub mal ne Fahrradtour durch den Gazastreifen 🙂
    Viele kurzweilige Erlebnisse dabei wünscht Euch Gabi

  5. Alina 23. Juni 2011 um 22:08 #

    …und natürlich von der spannendsten aktion kein foto: umzug mit aufgestelltem dachzelt 😀
    ihr seid bestimmt huldigend winkend wie die queen über das camp getuckert 😀
    …und passt bloß auf, dass ihr diesem wilden tier nicht begegnet:

    http://www.funnycatsite.com/pictures/Lion_Cat_Roar.htm

  6. Ines 24. Juni 2011 um 08:56 #

    Hallo Ihr Lieben! Wir sitzen gerade beim Frühstück und haben uns über Eure Zeilen amüsiert. Ich will auch einen Elefanten sehen … 😦 Wir haben gestern nacht nur zwei Füchse gesehen (die waren aber auch süß). Wir machen uns jetzt weiter an unsere Hochzeitsvorbereitungen. Wir freuen uns auf Euch und ein paar Bilder. Liebste Grüße von Knuds bester Familie aus dem Rosenweg
    P.S. Hier gibts auch Wasserlöcher vom Unwetter.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: