Alexandria Trail – Manchmal sind es die kleinen Dinge

25 Apr

Reisebericht von Dag – auch zu lesen bei abenteuer-reisen  KLICK HIER 

Südafrika ist großartig. Große Tierparks mit der Chance die Big-Five (Leopard, Büffel, Elefant, Nashorn und Löwe) zu sehen. Beeindruckende Landschaften und eine artenreiche Flora und Fauna.
Bekannte Namen wie der Krüger Nationalpark oder der Wanderweg „Ottertrail“ bieten den Besuchern diese großartigen Erlebnisse. Aber manchmal sind es die kleinen Dinge, die einem sehr viel mehr in Erinnerung bleiben.


Unterwegs in der Provinz Eastern Cape, östlich von Port Elisabeth, besuchen wir die „Woody Cape Section“.

Woody Cape Section

Als Ableger des Addo Elefant National Parks kann man hier kein „Game-Drive“ (Safari mit dem Fahrzeug) machen, sondern den Park nur zu Fuß erkunden. Der „Alexandria-Trail“ ist eine 36 Kilometer lange 2-Tageswanderung und noch recht unbekannt. Daher kann man sich auch spontan in der Ranger Station dazu anmelden, auch wenn nur täglich maximal 12 Personen zu dieser Wanderung zugelassen sind.
Wir starten am frühen Morgen bei herrlichem Sonnenschein. Noch drücken unsere Rucksäcke schwer, denn in den nächsten Tagen sind wir Selbstversorger und da muss vom Gaskocher bis zum Essen alles mitgenommen werden. Nur Zelt und Isomatte bleiben uns erspart.

Der Waldweg

Ein Waldweg führt stetig bergan und wir atmen die noch kühle Morgenluft. Vogelstimmen und das Sirren der Heuschrecken begleiten uns. Vor uns im taunassen Gras raschelt es immer wieder. Mal ist es ein Frosch der seinen Weg sucht, mal eine verschreckte Maus auf Nahrungssuche. Die erste Rast machen wir mitten in diesem Urwald an einem riesigen Baum. Auf einfachen Holzblöcken sitzend kauen wir genussvoll unsere Brote, die ja bekanntlich auf einer Wanderung nach körperlicher Anstrengung immer am besten schmecken.
Der Wald geht langsam in die offenen Graslandschaften der „Perdekloof“ über.

Graslandschaft Perdekloof

Da sind Gatter zu öffnen und wieder zu schließen und manche Kuh schaut uns recht verdutzt an. So häufig kommen hier wohl Wanderer nicht vorbei. Schon verändert sich die Landschaft wieder und der Boden wird sandiger. Fast fühlt man sich an eine norddeutsche Heidelandschaft erinnert. Bald schon hören wir in der Ferne die Brandung und nach rund einer halben Stunde erreichen wir den Dünenkamm. Vor uns liegt ein kilometerlanger, anscheinend unberührter Strand.

Richtung Ende der Welt

Nach rund 10 Kilometern ist damit die erste Hälfte unser heutigen Tagesetappe geschafft. Wir erleichtern unser Gepäck wieder um etwas Verpflegung und gehen dann gestärkt an den zweiten Teil. Es geht runter zum Strand und dort wandern wir entlang der Wasserlinie.

Wegweiser am Strand

Wie anders ist das Wandern mit Rucksack und Wanderschuhen doch, als ein ein normaler Strandspaziergang. Wir haben fast das Gefühl unterwegs zum Ende der Welt zu sein. Das vor uns aber schon andere Menschen hier waren, zeigen uns immer wieder unsere Hinweisschilder des wirklich perfekt ausgeschilderten Weges. So haben wir zwar unsere Wanderkarte und das GPS dabei, aber das braucht man hier eigentlich gar nicht.

Hinweisschild

Der weite Strand verengt sich wieder und es geht zwischen tosenden Wellen und hohen Felsenklippen weiter. Langsam wir es anstrengend und der Aufstieg zur Kliffkante raubt uns ein wenig den Atem. Die Aussicht von oben allerdings auch. Eigentlich dürfte nun unsere Hütte nicht mehr weit sein und doch zieht sich der Weg noch ganz schön. Nach fast 20 Kilometern mit großem Rucksack freuen wir uns endlich anzukommen und die Schuhe auszuziehen. Dann endlich sehen wir die Woody Cape Hütte versteckt im dichten Küstenwald liegen. Wir nehmen unseren Hüttenschlüssel und schließen auf. Eine Küche, ein Aufenthaltsraum und zwei Schlafräume mit je 6 Betten. Alles sehr einfach, sauber und gemütlich. Das Beste ist allerdings die Terrasse hinter dem Haus, mit einem tollen Blick direkt aufs Meer. Also genießen wir erst einmal die Aussicht bevor es dann an die Essensvorbereitungen geht. Es gibt kein fließendes Wasser, aber eine Regentonne vor der Hütte. Dort waschen wir uns den Schweiß des Tages ab und holen das Wasser zum kochen. Noch ist es eine Stunde hell. Daher bereiten wir schon einmal alles vor, holen die Kerzen raus und legen die Stirnlampen bereit. Denn außer keinem fließenden Wasser gibt es auch keinen Strom, aber das macht das Ganze ja so besonders. Während der Himmel von den letzten Sonnenstrahlen in ein tiefes Rosa getaucht wird, löffeln wir unsere Nudeln und strecken die müden Glieder. Eigentlich wollten wir morgen früh den Sonnenaufgang auf der höchsten Düne erleben, nun aber freuen wir uns schon gegen 20 Uhr auf unsere Matratze und den Schlafsack. Mal gucken, wann wir morgen wach werden.
Nicht so früh wie gedacht, aber noch rechtzeitig zum Sonnenaufgang auf unserer Terrasse! Noch im Schlafanzug schlendern wir mit einem Kaffee in der Hand zu unserem Bilderbuchpanorama. Wie schon so oft auf unserer Reise, werden mal wieder alle unsere Erwartungen übertroffen. Denn plötzlich sehen wir vor uns im Meer Delfine. Nicht nur ein Paar, sondern etwa 50 – 60 Tiere sind auf ihrer morgendlichen Jagd nach Fisch unterwegs. Einzelne Familien kreisen anscheinend Fischschwärme ein und es gibt hier wohl so viel Fressen, dass wir die Tiere fast eine Stunde beobachten können. Dass der Himmel sich in den schönsten Farben präsentiert, wird fast zur Nebensache. Als dann die ersten Sonnenstrahlen aufs Meer fallen, kommen auch die großen Wellen und die Delfine surfen in den Wellen. Manche springen sogar und wir können uns gar nicht sattsehen. Doch dann ziehen sie weiter und schwimmen wieder hinaus aufs Meer. Wau, was für ein Morgen!
Unsere Sachen sind bald wieder gepackt und der zweite Tag wird zwar weniger lang werden, nur rund 16 Kilometer, dafür aber noch ein wenig anstrengender, denn es geht über den großen Dünengürtel.

Auf dem Weg zur höchsten Düne

Wer schon einmal so eine Düne bestiegen hat, weiß wie schweißtreibend das ist. Zwei Schritte hoch und einen wieder runterrutschen. So kämpfen wir uns von Düne zu Düne, finden es aber dennoch großartig. Wir fühlen uns wie „alleine in der Sahara“ und sind froh über unsere gefüllten Wasserflaschen.

Sahara-Section

Der Weg führt nach etwa der Hälfte der Strecke wieder in den Wald. Auf dem gut angelegten Pfad kommen wir wieder schneller voran, wären da nicht immer wieder die kleinen Dinge, die man bestaunen kann. Ein Buschbock kreuzt ruhig, nur wenige Meter vor uns den Weg. Grüne Meerkatzen schauen aus ihren Verstecken in den Bäumen zu uns herunter.

Spinne im Netz

Spinnen haben ihre riesigen Netze über den Weg gespannt und lauern nun auf Beute. Ich finde einen Stachel von einem Stachelschwein auf dem Boden. Wir sind so voller Eindrücke, dass wir gar nicht aufs GPS oder die Karte schauen um zu sehen wie weit es noch ist. Nur unser Magen erinnert uns daran, dass es schon Mittag ist. Aber auch heute gibt es wieder einen wunderschönen Mittagsrastplatz, an dem wir mit Blick auf die Graslandschaft unseren letzten Proviant essen. So geht es dann auf die letzten Kilometer, die wir schweigend nebeneinander gehen.
Angekommen in der Rangerstation, geben wir unseren Hüttenschlüssel ab und werden gefragt, ob es uns denn gefallen hat. Ja es hat uns gefallen. Am eindrucksvollsten waren bestimmt unsere „Frühstücksdelfine“, aber gerade die vielen kleinen Dinge haben unsere Wanderung so großartig gemacht. Die Dinge, die halt in keinem Prospekt stehen und die man nur zu Fuß erleben kann.

P.S. Da unser Gepäck schon schwer genug war, haben wir diesmal keine große Kamerausrüstung mitgenommen sondern nur ein Nokia-Handy mit Fotofunktion. Die meisten Fotos sind trotzdem recht schön geworden, nur ein Beweisfoto für unsere Delfine können wir nicht liefern, da ist die Kamera an Grenzen gestoßen. Die tollsten Bilder sind eh in unseren Köpfen.

Facts zum Alexandria-Trail:
* 36 Kilometer lange 2-Tages-Wanderung mit einer Hüttenübernachtung
* 1. Tag: 20,5 Kilometer mit 6 Stunden Gehzeit, dabei 200 Meter Aufstieg und 400 Meter Abstieg
* 2. Tag: 15,5 Kilometer mit rund 4,5 Stunden Gehzeit und 830 Meter Aufstieg und 720 Meter Abstieg
* Kosten: ca. 10 Euro pro Person für die Hüttenübernachtung
* Infos zum Trail findet man unter der offiziellen Nationalparkpage www.sanparks.org

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6 Antworten to “Alexandria Trail – Manchmal sind es die kleinen Dinge”

  1. Maike 25. April 2011 um 22:25 #

    Wow, ihr zwei!
    Das klingt wirklich traumhaft und manchmal ist es doch auch am schönsten, wenn man nicht alles fotografieren kann, sondern es fest im Gedächtnis abspeichern „muss“.
    Ich freu mich, dass der Trail für euch ein so tolles Erlebnis war!
    Solche Eindrücke wünsch ich mir für meine „kleine“ Peru und Bolivien-Reise auch, Ende Mai gehts endlich los! 🙂

    Liebe Grüße, Maike

  2. Elke 26. April 2011 um 00:00 #

    Eure Fotos mit den Rucksäcken auf dem Rücken rufen bei mir wieder meine Jakobsweg-Bilder in Erinnerung, auch wenn es schon 4 Jahre her ist. So ein Rucksack kann ganz schön schwer sein, besonders wenn die Sonne vom Himmel brennt! Schön, dass ihr dafür entsprechend entlohnt wurdet mit tollen Naturbegegnungen – die Delfine hätte ich auch gerne gesehen! Eure Fotos geben einen guten Eindruck von der Tour.
    Liebe nachösterliche Grüße von Elke

  3. Rainer & Anna 26. April 2011 um 07:32 #

    Hallo

    Wieder ein wunderschöner Reisebericht der die Stimmung
    und eure Eindrücke wärend der Wanderung sehr gut vermittelt.
    Das Lesen hat wieder sehr viel Spaß gemacht !

    Viele Grüße

    Anna & Rainer

  4. Rolf 26. April 2011 um 11:36 #

    Gut,gut, gut. Für Fusskranke zwar weniger geeignet, doch eine tolle Belohnung für jeden mit richtigen Schuhwerk.Rolf.

  5. Marion 26. April 2011 um 22:36 #

    Also, ich bin auf jeden Fall fusskrank, bei dem Gedanken an den Rucksack habe ich sofort „Rücken“, ohne Strom geht gaaar nicht, da sieht man ja das ganze Getier nicht, ohne fliessendes Wasser ist bei der Meerbuscher Schickiszene Mission Impossible! Aber die Delfine hätte ich auch gerne gesehen, da freue ich mich mit Euch- das habt ihr euch mehr als verdient!

  6. Rita 27. April 2011 um 09:43 #

    Ja das habe ich Euch gewünscht und ich bin mal wieder begeistert über euren Bericht. wirklich schade mit den Fotos oder kleinem Film über die Delphine weil ich sie so sehr liebe.
    Aber Dagi kann mir ja nochmals davon erzählen wenn ihr wieder Zuhause seid.
    Ich kann warten bis zur Erzählung!
    Weiter alles Gute!!
    Grüße Rita

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