Was gibt es denn zu essen?

16 Feb

„Kochen, nur auf dem 2-Flammen-Gaskocher mit regionalen Produkten Afrikas, ergänzt durch Lebensmittel aus der Vorratskiste…“ so war die Idee zu Rhino´s Afrika Kochbuch entstanden. Wer sich dafür interessiert, kann sich das Kochbuch unter http://www.kuechengoetter.de/community/kochbuecher/daggo/Rhino-s-Afrika-Kochbuch-1281887.html ansehen.

So weit so gut – aber funktioniert das, was am Schreibtisch entstanden ist auch in unserem afrikanischen Alltag?

Die erste Herausforderung: Fleisch. Bei der Rezeptauswahl hatte ich schon darauf geachtet, vorwiegend vegetarische Gerichte zu finden. Aber so hin und wieder mal ein Stück Rind aus der Pfanne, ein Fisch vom Grill oder ein knuspriges Hühnchen finden wir schon recht lecker. Die hiesigen Metzger verlocken uns allerdings nicht so richtig zum Kauf. Das Fleisch hängt ohne Kühlung meist in der Sonne, umschwirrt von Fliegen und dem Staub der Straße. Damit der geneigte Kunde auch weiß, was heute so im Angebot ist, liegen die Köpfe der geschlachteten Tiere dekorativ daneben. Nicht ganz so unsere Sache.

Metzgerei Köpfe

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In Sachen Huhn haben wir bisher nur „Lebend-Angebote“ erhalten oder in Gefriertheken gefrorene Stücke undefinierbarer Herkunft gefunden. Auch nicht so toll.

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Für den Fisch waren wir bisher nicht häufig genug am Meer beziehungsweise See unterwegs. Als wir am indischen Ozean standen, habe ich einmal versucht mit meinem ungefähr 50-Worte-Kisuaheli, Fisch zu bestellen. Als ich dann keinen bekommen habe, hat Tom mich getröstet, dass es nicht an meinem Kisuaheli liegen würde, sondern daran, dass der Fischer an dem Tag leider nichts im Netz hatte. Hier am Malawisee gelang es mir dann zwei Fische zu bestellen, die dann auch promt, frisch und in der gewünschten Größe geliefert wurden. Ich fand sie ganz lecker, Tom fand es aber blöd, dass sie nicht als Filet geliefert wurden.
Häufig gehen wir auch essen. So viele Garküchen wie man sich das vorstellt, gibt es hier in Ostafrika aber nicht. Daher essen wir dann in Lodges oder Camps. Was soll ich dann ein Gemüsecurry wählen, wenn ich das ja auch gut selbst kochen kann. Also wähle ich häufig Fleisch oder Huhn. Das mag nach meiner Beschreibung der Metzger zwar unverständlich sein, aber ich versuche einfach nicht darüber nachzudenken.

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Die nächste Herausforderung ist der Einkauf von Lebensmitteln. Man denkt, na die Menschen hier müssen doch auch satt werden, da findet sich doch auch ein Supermarkt. Auf dem Land jedoch gibt es nur kleine Tante-Emma-Läden, sogenannte Dukas. Die Auswahl beschränkt sich auf Waschmittel und Grundnahrungsmittel wie Mehl, Öl, Salz und Zucker. In Städten gibt es dann auch Supermärkte. Allerdings hört sich das besser an, als es ist. Von 10 Regalen sind drei mit Keksen gefüllt, zwei mit Waschmittel und die restlichen fünf mit Grundnahrungsmitteln. Also ungefähr so wie in einer Duka, nur hier kann man durch die Regale gehen und die präsentierten Mengen sind größer. Manchmal gibt es jedoch auch Yoghurt oder ganz selten schon einmal Butter im Kühlregal. Ansonsten betört das Angebot mit Dosenfisch, Bohnen mit Soße oder Tomaten. Tom findet die Auswahl ganz okay, aber mit Bier, Fanta und Chips kann ich leider nicht kochen.
Dann das Thema Brot. Mit rund 500 Sorten Brot in Deutschland sind wir sicherlich extrem verwöhnt und es wird uns Deutschen im Ausland immer schwer fallen, uns an das lokale Angebot zu gewöhnen. Seitdem wir aber in Kenia eingereist sind (Anfang Dezember) gibt es nur noch „white Bread“, so eine Art Schlabber-toast. Manchmal findet man auch „brown bread“, das ist dann Schlabber-toast mit einer Spur von Ballaststoffen. Da hilft eigentlich nur toasten. Abwechslung gab es dann hier in Malawi mit „Bin-nadden“. Hört sich zwar wie ein gesuchter Terrorist an, ist aber ein Brötchen, ähnlich dem „white Bread“ jedoch von etwas festerer Konsistenz. Ansonsten bringe ich mit selbstgebackenem Brot immer wieder einmal Abwechslung in den Speiseplan. Besonders gelobt wurde von Tom das Milchweißbrot mit Cranberrys.

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Aber Obst und Gemüse gibt es doch bestimmt in rauen Mengen… Also Zwiebeln gibt es immer. Meistens auch recht gute Tomaten. Und dann wird es auch schon schwieriger oder besser gesagt einseitiger. Je nach Region oder Anbaugebiet gibt es dann Kochbananen, manchmal Möhren, Kartoffeln oder Kohl. Beim Obst gibt es meistens Bananen, im Augenblick Mangos im Überfluss und seltener Ananas oder Papaya.

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Die Preise für Obst und Gemüse sind sehr günstig. Die Berechnung erfolgt meist pro Stück und nicht wie bei uns nach Gewicht. So kostet eine Banane 5 Euro Cent, eine Ananas 50 Cent, Papaya und Mangos 25 Cent. Sechs große Tomaten oder ein Beutel Zwiebeln kosten 50 Cent.
Die Preise für die übrigen Lebensmittel sind wie in Deutschland oder teurer. So kostet ein Liter H-Milch sage und schreibe 1,75 Euro, eine Dose Tomaten 1 Euro, ein kleiner Becher Joghurt 75 Cent und ein Stück Butter 4 Euro. Manchmal findet man im Supermarkt auch verpackte Salami oder Pastrami, die schlägt dann mit 3-4 Euro zu Buche. Den letzten Käse konnte man in Tanga (vor ca. 1.500 kilometern) mit einem Preis von ca. 4 Euro kaufen. Allerdings sind wir recht froh, wenn wir überhaupt einmal Aufschnitt finden und drücken dann in Sachen Preis schon mal ein Auge zu.

Zum Thema Getränke ist zu sagen, dass Ost-Afrika in der Hand von Coca-Cola ist. CocaCola, Fanta (auch in der leckeren Sorte Ananas) und Sprite werden hier Sodas genannt und es gibt sie an fast jeder Ecke zu kaufen. In Kenia und Tansania gab es sogar eine Ingwerlimonade, Stoney genannt, die von CocaCola gebraut wird. Außer im Sudan gibt es hier überall leckeres Bier. In Äthiopien das Dashen Bier, in Kenia das recht bekannte Tusker-Bier mit dem Elefantenkopf, in Tansania das Kilimanscharo Bier und hier in Malawi das von der Carlsberg Brauerei in Malawi gebraute „KucheKuche“ (ausgesprochten kuutschekuutsche). Wein ist meist ein Import aus Südafrika und obwohl wir zu Hause gerne ein Glas Rotwein trinken, haben wir hier nur ganz selten Wein getrunken. Das wird sich dann an der Gardenroute vielleicht noch ändern.

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Soviel zu den Herausforderungen der Lebensmittelbeschaffung in Afrika. Aber was gibt es denn nun zu essen? Wie wäre es mit einer Tomaten-Kokossuppe mit knusprigem Bruschetta-Brot?

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Oder einem Hot-Dog mit Sauerkraut, Würstchen, süßem Senf und Röstzwiebeln (aus der Vorratskiste)? Wenn es mal was indisches sein soll, wie wäre es mit gebratenen Kichererbsen, Kochbananencurry mit Cashewnüssen und dazu Chapati-Brot?

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Heute mal nordafrikanisches Couscous mit Gemüse? Oder was haltet ihr von Spagetti in Nussbutter? So fällt mir jeden Tag etwas Neues ein und kommt mir mal gar keine Idee und ich frage meinen Gatten, so sagt der meistens „Schatzi, mach doch mal wieder Nudeln mit Pesto!“

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Meistens koche ich im Rhino auf unserem Gaskocher. Wenn es zu heiß ist, aber auch gerne draußen auf unserem mobilen Spirituskocher. Als Kochgeschirr benutze ich einen teflonbeschichteten Energiespartopf und als „Backofen“ einen Omnia-Topf (Interessierte finden dazu einen Artikel, den ich für den „Allradler“ geschrieben habe bei uns auf der Internetseite unter Presse).

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Ihr seht, verhungern tun wir nicht. Wir ernähren uns zumeist sehr gesund mit viel Obst und Gemüse und inspiriert von den Ländern, durch die wir reisen. Vielleicht wird ja aus den ganzen Ideen und Rezepten mal ein „Afrikanisches Reisekochbuch“!

Viele Grüße aus Senga Bay am Malawisee sendet Dag

P. S. Heute gibt es syrische Katif-Pfannkuchen mit Walnussfüllung und einer Spur Rosenwasser 🙂

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4 Antworten to “Was gibt es denn zu essen?”

  1. Ulrike 16. Februar 2011 um 21:43 #

    Herrjeh…. rein kulinarisch wäre das aber nichts für mich…. zumindest, was diese „netten“ Tierköpfe angeht.. da würde ich aber auch lieber vegetarische Speisen bevorzugen. Gegen Spaghetti mit Pesto hätte ich nichts einzuwenden, und die anderen Kreationen klingen auch sehr gut. Aber hat Thomas abgenommen ? Irgendwie sieht das auf dem Foto mit dem grünen T-Shirt so aus.

  2. Rolf 17. Februar 2011 um 12:19 #

    Bei der afrikanischen Metzgerei läuft mir nicht gerade das Wasser im Munde zusammen. Und nur vegetarisch futtern ist ja auch so’n Ding. Habt Ihr schon mal an die Anschaffung und Verwendung einer Büffelflinte nachgedacht? Rolf.

  3. Zecke 17. Februar 2011 um 15:02 #

    Klasse Bericht!

    Ich bezweifel zwar stark, dass Spagetti mit Nussbutter mein Leibgericht wird aber ich finde das sehr interessant.
    Mir gefallen besonders eure Beiträge über das Alltagsleben.
    Also nicht nur die die tollen Sightseeing und Reisebeschreibungen sondern auch wie ihr den normalen Tag in Afrika verbringt. Die Routine eben.

    Ich wünsche mir mehr davon.

    Gruß
    Zecke

  4. Marion 21. Februar 2011 um 20:59 #

    So, nachdem ich mich von dem Schock der Tierköpfe und eingepferchten Hühner leidlich erholt habe kann ich nur sagen: Alle Hüte ab vor Euch. Nicht nur, das Leben auf so engem Raum (und sei der Begleiter auch noch so geliebt) ein absolutes KO-Kriterium wäre, spätestens bei der Speiseauswahl und der Möglichkeit der Zubereitung würde ich die Kreditkarte zücken und mit dem nächsten Flieger ab nach Hause – in die Nähe von Nasszellen, die größer sind als ein Kleenex, Toiletten, aus denen meine Flatulenzen nicht mit Donnerhall ganz sicher gut hörbar verklingen und exquisiten Restaurants. Nenenenenene, um es mit dem Maulwurfn zu sagen – nicht meine Baustelle. Daher zolle ich Euch meinen allergrößten Respekt, das auszuhalten und auch noch halbwegs glücklich in die Kamera zu gucken – SENSATIONELL 🙂

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