Pemba, weiße Strände und glutrote Sonnenuntergänge, Teil 2

6 Feb

Bericht von Dag

„Unzählige schmale Sand-Radwege durchkreuzen die Insel, sie führen durch Urwälder und zu blütenweißen Sandstränden…“ so unser Reiseführer. Das ist doch eine gute Voraussetzung für unser Inselabenteuer.

 Also schwingen wir uns, wohl gestärkt und mit genügend Trinkwasser ausgerüstet, auf unsere Fahrräder. Unser erstes Ziel soll der Inselnorden sein. Wie auf der gesamten Insel, gibt es nur relativ wenig Unterkünfte, aber die Beschreibung der Kervan Saray Beach hörte sich genau richtig für uns an: einfache Lodge in rustikaler Bauweise, Doppelzimmerpreis zwischen 30-60 US$.
Aus der keinen Stadt Wete heraus führt noch eine Asphaltstraße, die dann zur gut planierten Schotterstraße wird. Unter einem strahlend blauem Himmel fahren wir durch die tropische Landschaft. Riesige Mangobäume werfen ihren Schatten und entlang des Weges liegen kleine Dörfer. Man fährt hier Fahrrad oder Daladala (kleine Pick-ups mit Ladefläche) und es gibt kaum Individualverkehr. So begleiten uns immer wieder andere Fahrradfahrer und vom Straßenrand winken fröhlich Kinder und rufen „Aua juu?“ (How are you?). Apropos Fahrrad, es hält sich das Gerücht auf der Insel, dass wenn ein Mann genügend Geld gespart hat und er sich ein Auto kaufen könnte, er lieber weiter Fahrrad fährt, er sich dann aber eine zweite Frau leistet…
Die ersten 20 Kilometer bis zum Dorf Konde lassen sich gut fahren, danach wird die Straße zum Weg und führt zum Ngezi Forest. Es ist der letzte noch vorhandene Rest des Urwaldes, der früher die Insel überzogen hat. So tauchen wir ein in eine grüne Welt mit riesigen Bäume, Lianen, Schmetterlinge und ein ständiges Surren und Zirpen begleitet uns.

Im Ngezi Forest

Der Weg wird beschwerlicher, da immer sandiger. So sandig, dass das Schieben des Fahrrads angesagt ist. Bei rund 30 Grad und etwa 90 %iger Luftfeuchtigkeit, eine schweißtreibende Angelegenheit. Dann taucht das Hinweisschild zu unserer Unterkunft auf. Der Weg ist nun mehr Eselskarren-breit und nur undeutlich zu erkennen. Ob das der richtige Weg ist? Ist er, aber die Beschreibung im Reiseführer stellt sich als falsch heraus. An einem weißen Sandstrand und vor türkisblauem Meer liegt eine exklusive Lodgeanlage. Wir werden von Malcom, dem Manager, freundlich empfangen. Er führt uns zur Bar, versorgt uns mit kühlen Getränken und wir nehmen verschwitzt und ein wenig staubig Platz. „Nein, die Zimmer kosten nicht 60 Dollar, sondern 250 Dollar – da ist die Vollpension schon mit drin“. Ähm ja, soviel also zu unserem Reiseführer. Eine Alternative findet sich hier in der Nähe mit dem Rad nicht so einfach, also lassen wir uns mal eines der Chalets zeigen. Ein großes Makuti-Dach (Bananen-Blätter, ein wenig so wie norddeutsche Rieddächer) wölbt sich über dem Haus und ist innen bis in den Giebel offen. Ein wahres Riesenbett mit Moskitonetz steht mitten darunter. Das ist ja die reinste Honeymoon-suite!

Kervan Saray Beach 9

Moment, da war doch was! Wir grinsen uns an und erzählen Malcom, dass wir gerade auf unserer rund 16 monatigen Hochzeitsreise sind. „Yes in that case…What do you think about the resident price of 90 US $ per Person?“ Auch das ist noch ´ne Stange Geld, aber es gefällt uns einfach so gut, dass wir bleiben. Schnell sind die Fahrradtaschen ausgepackt, wir etwas erfrischt und umgezogen. Und schon gibt es ein leckeres Mittagessenbuffet für uns. Und nur für uns. Denn wie sich herausstellt, sind wir im Augenblick die einzigen Gäste. So nehmen wir dann auch das 3-Gänge Abendessen nur mit dem Manager, der Inhaberin und der Tauchlehrerin ein. Das Essen ist vorzüglich und der Abend mit netten Gesprächen sehr kurzweilig.

Kervan Saray Beach 7

Kervan Saray Beach 5

Kervan Saray Beach 4

Kervan Saray Beach 6

Vorwiegend Taucher finden normalerweise ihren Weg hier hin. Die vor dem Strand liegenden Riffe sollen eine große Vielfalt an Fischen und Korallen bieten. Wir verabreden uns daher für den kommenden Morgen zu einem Boots-Schnorcheltrip mit Catty, der Tauchlehrerin.

Kervan Saray Beach 3

Kervan Saray Beach 2

Kervan Saray Beach

Als wir nach draußen treten, empfängt uns ein grandioser Sternenhimmel. Das Meer rauscht in der Dunkelheit und das ganze Camp ist nach Eintritt der Nacht mit Kerosin-Lampen beleuchtet. Ein Askari, ein Masai-Krieger, der hier als Wächter arbeitet, begleitet uns zu unserer privaten Standhütte. Müde fallen wir in unser Himmelbett und verbringen eine ruhige Nacht. Also wenigstens Tom, der sofort einschläft. Zwar schlafe auch ich schnell ein, aber mitten in der Nacht werde ich wach. Es raschelt unter dem Makuti-Dach. Dann höre ich eine Weile nichts und denke schon, dass ich geträumt habe, als ich hinter unserem Bett ein leises „Tapp-Tapp“ höre. Wer schleicht denn hier durch unser Zimmer? Ein zaghaftes Stupsen meines Bettnachbarn bringt leider keinen Erfolg. Um an den Lichtschalter zu kommen müsste ich das Bett mit dem schützenden Moskitonetz verlassen. Das finde ich keine so gute Idee, aber bevor ich noch einmal Tom anstoße, höre ich auch schon wieder das Rascheln unter dem Dach. Ein paar Minuten später finde ich dann die Lösung. Im Baum vor unserem Haus, schreit ein Galago, ein sogenanntes Buschbaby. Diese Tiere sind etwa katzengroß, grau und haben große Augen. Tagsüber schlafen sie in Baumhöhlen, aber nachts sind sie aktiv auf Nahrungssuche und man hört ihre Schreie, die sich wie die eines Babies anhören, durch die Nacht schallen. Als ich am anderen Morgen meine „Story“ erzähle, ernte ich natürlich einen nachsichtigen Blick von meinem Gatten und den Kommentar „aha, ein Buschbaby bei uns im Zimmer…“. Was kann ich denn dafür, dass er so einen festen Schlaf hat?
Nach dem Frühstück brechen wir dann auf zu unserem Schnorcheltrip. Über einem Korallenriff halten wir und tauchen ab in eine bunte Unterwasserwelt. Zwar wissen wir nicht die Namen von all den fischen die wir gesehen haben, aber es war ein tolles Erlebnis.
Für unsere nächste Nacht geht es dann einen Strand weiter zum Verani Beach und zu einem, diesmal wirklich sehr einfachen, Bungalow. Für 35 US $ haben wir unser Standhäuschen mit fließendem Wasser (wenn auf der Insel Stromausfall ist, gibt es allerdings kein Wasser) und ohne Strom, dafür mit Kerosin-Lampen.

Unsere Strandhütte

Nachdem wir am Vortag natürlich verwöhnt wurden, fällt jetzt der Unterschied schon recht krass aus. Einen Askari gibt es auch nicht, daher nehmen wir unsere Fahrräder lieber direkt mit ins Zimmer.

Zimmer mit Fahrrädern

Nach einem Blick in das Küchenhaus beschließen wir an dem Abend mal wieder von Keksen zu leben. Am Strand erleben wir dann einen schönen Sonnenuntergang und zusammen mit einem Koreaner sitzen wir später noch am Lagerfeuer.

Am Strand von Verani

Sundown

So war die Übernachtung anders als am Tag zuvor, aber auch sehr schön.
Früh morgens brechen wir wieder auf und die Stadt Wete ist wieder unser Ziel. Heute ist es noch heißer und wir sind froh, als wir gegen Mittag ankommen. Im Sharook Guesthouse freut man sich, dass wir wieder da sind und wie ganz selbstverständlich können wir duschen und die Fahrräder und einen Teil unseres Gepäcks dort deponieren. Dann geht es zum Daladala-Busstand. Für rund 75 Cent fahren wir in eineinhalb Stunden in die Inselhauptstadt Chake Chake. Auf der Ladefläche sind natürlich nur Einheimische und wir werden ungeniert angeguckt. Mit 12 Personen ist das Daladala eigentlich schon voll (denken wir), aber an jeder Ecke steigt mal wieder jemand ein oder aus. Größere Gepäckstücke werden auf dem Dach transportiert. Hinten an dem Fahrzeug hängt der Schaffner der beim Ein- und Austeigen und Verladen behilflich ist und auch das Fahrgeld kassiert. Nachdem wir nun in Afrika mit dem Truck, zu Fuß und mit dem Fahrrad unterwegs waren, eine ganz neue Erfahrung.
In Chake Chake angekommen suchen wir uns wieder einfaches Hotel und buchen dann für den nächsten Tag einen Bootsausflug nach Misali Island. Für unser Abendessen finden wir ein tolles Restaurant auf einer Holzplattform im Meer und genießen dort zu leckerem Fisch den tollen Sonnenuntergang.

Sonnenuntergang in Chake Chake

Restaurant Pemba Misali Sunset Beach

Restaurant Pemba Misali Sunset Beach 2

Misali Island gilt als das „Juwel“ der Insel Pemba. In der Tat war es dann auch das Highlight unserer Pembareise. Paradiesische Strände, die wir ganz für uns alleine hatten, warmes Wasser und strahlend blauer Himmel. Was will man mehr?

Beachboy

Ohne Worte

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Per Daladala geht es abends wieder nach Wete, wo uns Herr Sharook schon erwartet. Er hat für uns gekocht und serviert uns das Abendessen auf der Dachterrasse seines Hauses. Es ist eine einfache aber sehr leckere Küche. So erleben wir mal wieder einen tollen Sonnenuntergang und unseren letzten Abend auf der Insel. Ein oder zwei Tage länger, wären wir noch gerne geblieben, denn den Süden der Insel konnten wir noch nicht erkunden. Aber da die Fähre nur einmal in der Woche fährt, müssen wir die Insel wohl verlassen ohne die endemischen „Pemba-Flughunde“ (eine Art große Fledermaus) gesehen zu haben. Im letzten Licht sehen wir sie dann doch noch. Hunderte von Flughunden verlassen ihre Schlafplätze in den Bäumen und fliegen hinaus in die Nacht um zu jagen.

Pemba Flughunde am Abendhimmel

Voll mit neuen Eindrücken begeben wir uns am nächsten Tag wieder in den Hafen. Die Überfahrt ist diesmal ruhig und ich glaube, wir haben uns auch schon ein wenig „eingewöhnt“, denn lesend erreichen wir gegen Mittag wieder das Festland.
Wollen wir ein Fazit ziehen, so können wir sagen, dass es sich für uns gelohnt hat und wir das gefunden haben, was wir erwartet haben. Ob Pemba nun das „unentdeckte“ Sansibar ist, wissen wir nicht, denn wir haben die größere Schwester im Süden ja nicht gesehen. Aber so wie wir die Insel bereist haben, hat es funktioniert. Das Buchen eines Komplettpakets ist im Augenblick noch nicht möglich und wenn es möglich sein wird, wird sich vielleicht auch der Charakter der Insel verändert haben.

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2 Antworten to “Pemba, weiße Strände und glutrote Sonnenuntergänge, Teil 2”

  1. Elke 6. Februar 2011 um 13:37 #

    Hallo ihr zwei,
    danke für den schönen Bericht. Man hat den Eindruck, in einem Reiseführer zu lesen und bekommt natürlich direkt Lust, die Insel auch mal zu besuchen. Die Bilder sind wirklich super und lassen einen die warme Luft auf der Haut spüren!

    Grüße von Elke

  2. Rolf 6. Februar 2011 um 15:39 #

    Hej Honeymooner!

    Da seht Ihr mal wieder, daß ich nicht so ganz unrecht habe, mit meiner Behauptung, jeder bekommt Das, was er verdient. Und Ihr habt auf Pemba doch ne ganze Menge
    bekommen. Weitere Verdienstbelohnungen wünscht Euch Rolf.

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