Wir lösen unser Versprechen ein

10 Jan

Artikel von Dag

„Versprochen ist versprochen und wird nicht gebrochen!“, so lautet ein Kinderreim. Auch wir haben ein Versprechen gegeben, nämlich das Vorschulprojeket der Hubert und Renate Schwarz Stiftung in Arusha/ Tansania zu besuchen.


Das von Freunden und Verwandten zu unserer Hochzeit gespendete Geld, haben wir dieser Stiftung zur Verfügung gestellt. Vorort wollen wir uns zusammen mit dem Leiter, Melek Lemomo, das mittlerweile stattlich anerkannte Projekt einer Vorschule für 3 bis 6-jährige Kinder anschauen. Es ist in einem Land wie Tansania nicht selbstverständlich, dass kleine Kinder betreut werden. Kinder sozial schwacher Familien haben oft schon ihre Aufgaben in der Familie, kaum dass sie laufen können. Die Mädchen gehen zum Brunnen und holen das Wasser, die Jungs werden mit dem Hüten der Tiere betraut. Arbeiten, die wären die Kinder nicht da, ja von den Erwachsen zusätzlich übernommen werden müssten. „Und das ist das eigentliche Problem unserer Schule“ so Meleck, der selbst in sehr einfachen Verhältnissen in einer Masai-Familie aufgewachsen ist. Er weiß daher, wie wichtig die Mithilfe der Kinder in den Familien ist; er weiß aber auch, dass die Bildung der Kinder die notwendigen Perspektiven schafft, um Leben zu ändern. Das System der „extended family“, der Großfamilie, stellt eine Wirtschaftseinheit dar. Sie ist aber Segen und Fluch zugleich. Einerseits werden von der Familie Aufgaben übernommen, die bei uns in der Gesellschaft vom Staat übernommen werden, wie Krankenpflege oder die Versorgung eines arbeitslosen Bruders. Andererseits hemmt dieses System aber auch die Eigeninitiative. Ist Geld vorhanden, dann fordert immer jemand aus der Gemeinschaft seinen Anteil und so besteht kaum die Möglichkeit, Geld anzusparen für die Schulbildung der Kinder oder für sinnvolle Anschaffungen.
Seit 2002 wurde das Schulgeld in Tansania für die sieben Grundschuljahre abgeschafft. Allerdings müssen die Schuluniformen und die Unterrichtsmaterialien von den Eltern finanziert werden. Dies ist ein weiteres Problem und führt, trotz Schulpflicht dazu, dass die Kinder der Schule fern bleiben und die Analphabetenrate bei 30 Prozent liegt.
Der Besuch dieser Vorschule ist dank Spendengelder kostenlos. Die Kinder werden unterrichtet und auf die Primary School (unsere Grundschule) vorbereitet. Sie erhalten im Projekt Kleidung und Essen.
Als wir auf den Hof der Schule kommen, haben die Kinder gerade Pause. Fröhliche Kinderstimmen schwirren uns entgegen, doch als sie uns sehen, verstummen sie erst einmal. Am Rand setzen wir uns mit Meleck unter einen Baum in den Schatten und langsam löst sich die Spannung bei den Kindern. Getränke werden in einer kleinen Küche ausgegeben und brav wartet jedes Kind bis es an der Reihe ist. Wie selbstverständlich bringen die Kinder dann auch ihre Tassen wieder zurück, ohne dass die beiden betreuenden Lehrer dazu auffordern müssen. Ich nähere mich mit meiner Kamera und bin mir nicht sicher, ob ich hier fotografieren kann. Auf dem Boden sitzend stelle ich mich vor und frage die Kleinen nach ihren Namen. Schüchtern kommen sie näher. Ein Mädchen fasst meine Kamera an und als ich sie frage ob sie ein Foto haben möchte, grinst sie. Ihren Mut bewundernd scharen sich die anderen Kinder um sie. Als das Foto im Kasten ist und auf dem Display sichtbar, ist das Eis gebrochen. Jetzt möchte jeder ein Foto haben. Es wird fast zu eng zum fotografieren. Hinter mir stehen Kinder die aufs Display gucken – vor mir posen die restlichen und machen Faxen. Es ist total lustig und diesmal bespaße ich wohl mehr mit meiner Kamera, als dass es für mich Top-Fotos werden. Bevor es wieder zum Unterricht geht, singen die Kinder mit Engagement noch ein paar Lieder für mich. Es geht sehr ungezwungen und unbeschwert zu.
Die beiden Klassenräume sind einfach und zweckmäßig. Jedes Kind hat seinen Stuhl und seinen Tisch, was in den staatlichen Schulen wohl nicht immer selbstverständlich ist. An der Tafel sind Zahlen geschrieben und die werden heute auf englisch vorgelesen. Die Klasse wiederholt sie dann im Chor. Klappt meistens ganz gut, nur die Aussprache ist nicht ganz akzentfrei.
Engagement und Begeisterung – das sind die Dinge, die uns von unserem Besuch in Erinnerung bleiben. Wir wünschen der Stiftung, dem Leiter des Projektes Meleck und den Kindern, weiterhin gutes Gelingen und wir werden sicherlich immer wieder einmal dem Projekt „unter die Arme greifen“. Wer dies ebenfalls tun möchte, findet unter www.hubert-schwarz.com alle notwendigen Informationen.

 

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3 Antworten to “Wir lösen unser Versprechen ein”

  1. Marion 1. Februar 2011 um 23:13 #

    Hört sich gut an. Könnte einigen Kids hier nicht schaden, so ein 6monatiger Aufenthalt dort. Freue mich, dass es mit den Fotos so eine Gaudi gab, während bei uns nur noch die Geräte mit dieser angebissenen Frucht zählen :-)))))nenenenene- ich meine jetzt keine Kochbanane!

  2. Rita 2. Februar 2011 um 10:19 #

    Hallo Ihr zwei

    Danke für euren Einsatz und Bericht. bin irgendwie sehr bewegtnach dem Lesen des Artikels. Wünsche Euch noch gute Fahrt und viel Spass und schöne Eindrücke.
    Grüße Rita und Gerd

  3. Rolf 2. Februar 2011 um 12:44 #

    Auf diesen Bericht habe ich sehr,sehr lange gewartet.

    Bestimmt nicht, weil ich etwa Bedenken gegen Euch hatte!

    Meine Vermutungen gingen in eine ganz andere Richtung.

    Daher bin ich nun sehr erfreut, daß Ihr Euch jetzt selbst von der Richtig- und Wichtigkeit der unterstützungswürdigen Einrichtung überzeugen konntet. Rolf.

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