Es begab sich…

27 Dez

So oder ähnlich müsste eigentlich unsere Afrikastory diesmal anfangen. Genau wie Maria und Josef waren wir nämlich ein wenig hilflos unterwegs und wussten nicht wo wir die (heilige) Nacht verbringen sollten. Wir wollten an einem besonders schönen Ort sein und zusammen mit ein paar netten Leuten Weihnachten feiern. Da wir aber ständig unterwegs sind, war es natürlich schwer im Voraus zu sagen, wo wir am 24.12. sein würden. Als sich Mitte der Woche abzeichnete, dass wir in Kenia am Victoriasee sein würden, haben wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Quartier gemacht. „Takawiri Island“, ein Tipp unseres Reiseführers, sah auf den Bildern einfach traumhaft aus und die Vorstellung mit dem Sundowner im Liegestuhl am Strand des Lake Victoria zu liegen, fanden wir sehr nett. Seltsamerweise funktionierte die Internetseite nicht und telefonisch kamen wir auch nicht durch. Da im Führer der Hinweis stand, dass man in dert Stadt Kisumo das Resort buchen kann, sind wir also dort hin gefahren. Im Reisebüro erklärt man uns, dass wir uns mit dem Eigentümer, einem Inder in Verbindung setzen sollten. Nach einem sehr netten Gespräch mit ihm stellte sich aber heraus, dass das Resort im Augenblick leersteht, da keiner der Familie sich darum kümmern könnte. Also Weihnachten könnten wir daher dort nicht verbringen, aber wir könnten es gerne kaufen…:-)). Der freundliche Inder schwärmte von der Gegend der Insel und meint, in der Nähe würde sich sicherlich noch was anderes Schönes finden. Bestückt mit einem Anreisetipp über gute Asphaltstraße und einem Namen eines anderen tollen Resort, machten wir uns dann auf den Weg zur Fähre über den Victoriasee. Leider fuhr diese aber nicht stündlich wie uns berichtet wurde, sondern nur alle drei Stunden und als wir ankommen, legt die 15 Uhr Fähre gerade ab.

Am Hafen - Victoria See

Pech. Egal, dann rufen wir schon mal im Resort an und fragen, ob wir mit unserem Rhino dort Weihnachten verbringen können. Das Telefonat war weniger erfreulich, denn als der Inhaber hörte „Overlander-Truck“, da war er nicht so begeistert. Er habe schlechte Erfahrungen mit solchen Leuten gemacht, daher könnten wir bei ihm nicht bleiben. Nun standen wir also an der Fähre über den See, unsere beiden Asse waren ausgespielt, hatten aber nicht gestochen und nun wussten wir erst einmal nicht so recht weiter. Auf der anderen Seite des Sees war es noch untouristischer und die Wahr-scheinlichkeit, etwas Gutes im Dunkeln zu finden, hielten wir für zu gering. Also haben wir einen Tag vor Heiligabend wieder den Rückweg nach Kisumo angetreten, dort übernachtet und am anderen Tag dann die Entscheidung getroffen, in den Nationalpark der Masai Mara zu fahren. Wir erhofften uns von der dortigen touristischen Struktur eine bessere Möglichkeit, noch etwas zu finden. Morgens noch schnell „Weihnachtsskypen“ mit der Familie und dann sind wir auch schon losgefahren. Soweit war es ja nicht. Nur 250 Kilometer. Die sollte man ja wohl locker in einem halben Tag schaffen. Trotz des regen Weihnachtsverkehrs sowie Transportverkehrs, kamen wir ganz gut voran. Für die letzten 70 Kilometer lag dann mehr oder weniger schlechte Schotterpiste vor uns. Auch das klappt mit unserem Rhino gut. Plötzlich steht auf dem schmalen Weg ein Matatu (kleines Transportfahrzeug) und ein paar Menschen ratlos herum. Wir steigen aus und fragen, nicht nur weil Weihnachten ist, ob wir helfen können. Das können wir in der Tat und es schlägt mal wieder die Stunde für den Einsatz des Ingenieurs an meiner Seite. Nach gut einer Stunde ist der Wagen wieder flott, die Einheimischen voller Bewunderung für Tom und wir machen uns wieder auf den Weg. Es ist schon gegen 17.30 Uhr als wir an die erste Weggabelung Richtung Masai Mara kommen. Links 35 Kilometer bis zum nächsten Camp, rechts 25 Kilometer bis zum nächsten Camp und noch rund eine Stunde bis es dunkel wird. Und hier wird es richtig dunkel. So dunkel, dass wir dann nicht unterwegs sein wollen und können. Also rechts rum. Nach fünf Kilometer entdecken wir ein kleines Schild, dass auf ein Camp weitere fünf Kilometer entfernt verweist.

Hinweis auf das Camp

O.k. Dann versuchen wir das, vielleicht mag man dort ja Overlander und wir dürfen uns auf den Parkplatz stellen. In Gedanken gehe ich schon mal die Vorratskiste durch und stelle unser Weihnachtsmenue zusammen. Es wird dunkler, der Weg immer unscheinbarer und wir sind uns bald nicht mehr sicher, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Selbst unsere erste Hyäne, nur ein paar Meter von uns entfernt, kann die Laune nicht so richtig aufbessern. Doch dann entdecke ich ein paar Zelte in einem kleinen Wald und wir finden tatsächlich ein Camp.

Eingangsschild zum Camp

Zuerst kein Mensch weit und breit, doch dann werde ich stutzig – Weihnachtsbeleuchtung mitten im Nationalpark? Dann kommt die Managerin auf uns zu und heißt uns freundlich willkommen. Schnell ist unsere Geschichte erzählt und wir sind völlig überrumpelt, als wir erfahren, dass in dem Camp heute Nacht 6 Gäste sind und Sie sich freuen würde, wenn wir ihnen heute Abend Gesellschaft leisten würden. Na gut, ich kann die Vorratskiste ja auch zu lassen. Also, ab in den Rhino, den Staub aus dem Gesicht waschen und das beste Travellerhemd anziehen. So werden wir dann wenige Minuten später von einem Masai abgeholt mit den Wort “Please come, the drinks are waiting…“. Was uns dann erwartet, verschlägt uns die Sprache. Der Weg zu zwei großen Zelten ist mit zich Teelichtern beleuchtet. In einem Zelt ist das Wohnzimmer mit dem Weihnachtsbaum und in dem anderen Zelt ist das Esszimmer mit einem festlich gedeckten Tisch. Die beiden Manager, Nina und und Eche, stellen uns als „Maria und Josef – die Weihnachtsüberraschung“ vor und schnell kommen wir mit den anderen Gästen ins Gespräch. Eine deutsche, in Brüssel lebende, Familie mit Ihren 3 Kindern und eine Holländerin feiern dann mit uns zusammen Weihnachten.

Die Weihnachtstruppe

Zum Aperitif gibt es einen gut gekühlten Weißwein und zum ersten Gang „eine geräucherte Forelle mit grünem Spargel“. Danach eine Hühnerconsomee mit Minze, ein Zitronen-Basilikum Sorbet und als Hauptgericht Lammbraten. Ich koche ja nicht schlecht, aber so viel haben wir in den letzten Wochen und Monaten schon lange nicht mehr gegessen! (da war doch so ein 10-Gang-Menue in Italien mit korrespondierenden Weinen – immer noch in bester Erinnerung, Marion und Gerd!) Und zum krönenden Abschluss dann noch einen kenianischer Pudding mit Karamellsoße. An diesem Abend stimmte einfach alles. Die netten Gesprächen mit interessanten Menschen, das gute Essen, die Deko und da lässt auch der Spirit von Weihnachten nicht auf sich warten.

Beim Weihnachtsmenue

Im Wohnzimmer machen wir es uns dann bequem und nehmen einen Degistiv, als sogar noch der Weihnachtsmann vorbeikommt. Wir halten uns im Hintergrund, sind einfach begeistert von dieser schönen Atmosphäre. Kaum zwei Stunden sind wir im Camp und trotzdem fühlen wir uns hier „zu Hause“. Als uns Nina dann auch noch jeder ein Weihnachtsgeschenk überreicht mit einem sehr nett geschriebenen Anhänger, wissen wir gar nicht mehr, wie oft wir noch danke sagen sollen.

Wohnzimmer mit Weihnachtsbaum

Für die anderen Gäste ist am anderen Morgen „Gamedrive“ angesagt und schnell ist auch für uns noch ein Guide organisiert, der mit uns in unserem Rhino fährt. Wohlig satt fallen wir dann ins Bett, um am anderen Morgen um 6.30 Uhr loszufahren auf Pirsch.
So haben nicht nur Maria und Josef ihre Herberge gefunden, sondern auch wir. Dieser Abend, so unerwartet und schön, wird uns noch lange in Erinnerung sein. Asante sana, Nina and Eche!

Nina und Eche

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9 Antworten to “Es begab sich…”

  1. Marion 27. Dezember 2010 um 23:02 #

    Jetzt kommt Ihr langsam auf den Kenia-Geschmack, von dem ich immer geschwärmt habe. Freut mich total für Euch, dass Ihr ein so überraschendes, schönes Fest hattet!

  2. Rita und Gerd 28. Dezember 2010 um 09:16 #

    Ja so ist am schönsten, wenn man es nicht erwartet. Wir wünschen euch alles Liebe und Gute. Bis bald Rita und Gerd

    • gotoafrica2010 28. Dezember 2010 um 15:27 #

      Liebe Rita und lieber Gerd, das freut uns wirklich sehr, dass Ihr beiden uns so eifrig „verfolgt“! Ich glaube der heutige Beitrag ist was für dich, Rita – denke da werden alte Erinnerungen wach. Liebe Grüße sendet aus Nairobi DAG

  3. Caroline 28. Dezember 2010 um 10:57 #

    Wow, das klingt sooooo toll. Ich hatte sogar ein paar Tränchen in den Augen, so rührend finde ich Eure Geschichte. Das sind immer die besten Erlebnisse und schöne Erinnerungen !!!! Die hat man für ein Leben lang. Ich freue mich für Euch und wünsche Euch noch viele derlei Erlebnisse ! Liebe Grüße Caro

    • gotoafrica2010 28. Dezember 2010 um 15:25 #

      Liebe Caro, das mit dem Tränchen freut mich natürlich besonders. Der „Autor“ hat also mitten ins Herz des Lesers gestoßen! Danke euch beiden auch für die lieben Weihnchtsgrüße. Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie sehr wir hier uns immer über Mails und Kommentare freuen. Das ist dann auch immer fast so Weihnachten! Liebe Grüße nach Dormagen, aus der Stadt mit dem besten WLAN Kenia sendet DAG

  4. Rolf 28. Dezember 2010 um 12:32 #

    Selbst wenn nun jemand annimmt, ich haue kräftig auf die Pauke, da behaupte ich unumstösslich: wenn man ein klein wenig nett ist, bleibt man meist nicht ohne Echo.
    Gute Reise weiterhin; dazu Euch Reisenden und allen
    Go-to-Africa-Sympathisanten einen anständigen Rutsch in ein gutes Jahr 2011.
    Rolf.

    • gotoafrica2010 28. Dezember 2010 um 15:32 #

      Hallo Vatter, Du weisst doch wie das ist: wer immer recht artig ist und das waren wir auch, dem bringt auch was das Christkind. Das sieht man ja an Euch beiden…;-) Liebe Grüße – vielleicht skypen wir ja noch heute? – sendet DAG

  5. Gabi 28. Dezember 2010 um 15:09 #

    Liebe Dagmar, lieber Thomas,

    das ist der emotional ergreifendste Reisebericht von allen und überhaupt!!! Liebe unbekannte Caroline, ich kann Dir nur beipflichten!
    Erst kein Platz in der Herberge und dann solch ein Abend, ich frage mich, ob so was in Deutschland auch möglich gewesen wäre. Es freut mich für Euch, dass es so schön war.
    Bei unserem Familientreffen in Altheim gab es zwar auch emotionale Momente, besonders auf Seiten von Joni und Benni, was aber eher daran lag, dass sie es super fanden, endlich mal einen Verkehrsunfall miterlebt zu haben. Und zwar in meinem Auto auf dem Rücksicht, während ich mitten in Darmstadt bei Glatteis meinem Vordermann an einer Ampel draufgefahren bin. Sie fanden es auch cool, dass dann die Polizei kam und noch während unser Unfall protokolliert wurde, auf der Fahrspur rechts neben uns der nächste Auffahrunfall passierte. Leider alles nur Blechschäden, Blut ist enttäuschenderweise nicht geflossen.
    Wenn ich da schon vom Eurem Kenia-Fotowettbewerb gewusst hätte, wäre ein Foto verpflichtend gewesen :-)))

    Ich grüße Euch aus dem in Schneemassen versinkenden Essen und freue mich auf die nächsten Berichte.

    Eure Gabi

    • gotoafrica2010 28. Dezember 2010 um 15:22 #

      Liebe Gabi, danke für Deinen lieben Kommentar – wir sind froh, dass Euch nichts passiert ist! Fahr weiter vorsichtig. LG Dag und Tom

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