Nepper, Schlepper oder Helfer?

14 Okt

Bericht von DAG

Gefahrene Strecke in Ägypten

Ein langer, anstrengender Tag geht zu Ende. Vielleicht ist daher mein heutiger Bericht etwas emotional, aber wie immer, schön der Reihe nach.

Gestern sind wir in Assuan (ägyptisch Aswan) angekommen und laut Reiseführer sollte es sogar einen Campingplatz geben. Also kam die Stimme vom Beifahrersitz „alles ganz einfach, hier rechts, dann noch 2,5 Kilometer und dann sind wir da“. Das Gesicht auf dem Fahrersitz blickte skeptisch. Und in der Tat: alles ganz einfach, nach ein paar Minuten waren wir bei „Adam´s Home“. Zwar war Adam nicht at home, aber jemand Wichtiges (siehe Titel) namens Sammy meinte, zwar wäre der Platz offiziell geschlossen (warum, konnten wir nicht rausbekommen), aber gegen 40 Pfund (rund 5 Euro) könnten wir für eine Nacht bleiben. Morgens müssten wir aber spätestens um 8 Uhr weg sein. Er flüstert verschwörerisch „Police“…

Gesagt getan, also verbringen wir die Nacht hinter dem „Home“. Hinter heißt, wie so oft in Ägypten, „der nicht so wichtige Platz“, also da wo man schon mal was abstellt, was man im Augenblick nicht braucht. Ich benutze jetzt mal nicht den Begriff Müll. Da es aber nach 18 Uhr ist, ist es dunkel und wir haben andererseits einen super Ausblick auf den Nil und einen Teil der erleuchteten Stadt.

Für den heutigen Tag hatten wir dann den Besuch des Fährbüros geplant und noch ein paar kleine Erledigungen. Einmal pro Woche fährt hier ab Aswan die Fähre über den Nasser Stausee in den Sudan, nach Wadi Halfa. Dies ist im Augenblick auch der einzig mögliche offene Grenzübergang. Und für die Fähre gibt es nur einen Anbieter, die Nil Company. Na, klingelt es schon ein wenig? Der Volkswirt würde einfach sagen, hier handelt es sich um ein Monopol und der Preis wird NICHT durch die Nachfrage geregelt, sondern durch den Anbieter. Als Monopolist hat man es auch nicht nötig, eine einfache Adresse zu haben. Es genügt eine Hinterhofadresse einer konspirativen Wohnung, denn derjenige der was will, wird das Büro schon finden. Und in der Tat finden wir das Büro und treffen dort auf Gott, Entschuldigung, Herrn Salah.

Ticket Office

Mr Salah

Er ist für alle Reisenden der Ansprechpartner, der Einzige halt. „Yes, you have luck, on Monday there will be ferry“. Das freut uns. Was uns dann aber weniger freut ist der Preis. Er verlangt sage und schreibe insgesamt 5.600 Pfund (ca. 700 €) und lässt sich auf keine Verhandlungen ein. Aus dem Internet kannten wir niedrigere Preise und als wir ihm etwas Bakschisch anbieten, klappt er sein Laptop zu und meint, wir möchten wohl, dass er seinen Job verliert.

Hilfsbereit steht dann Mohamed (siehe Titel) in der Türe und meint, er könne uns helfen.

Mohamed & Tom

Vielleicht gehört nun einmal die Anmerkung in den Artikel, warum man überhaupt Helfer benötigen. Dass rund 98 Prozent aller Schilder nur arabische Schriftzeichen tragen, haben wir ja schon in unserem Bericht aus Alexandria geschrieben.

Außerdem sprechen nur sehr wenige Ägypter englisch, was uns zwar immer wieder erstaunt, aber nun mal so ist. Zudem ist es hier in Ägypten (und wahrscheinlich fast allen noch vor uns liegenden Ländern:-((() nun mal so, dass man nicht einfach zu einer Behörde geht, sich einen Stempelt holt und alles ist gut. Da muss man zur Traffic Police und danach mit dem Papier zur XX Police und das Zollpapier muss dann noch in einer dritten Behörde abgestempelt werden. Die Behörden sind auch nicht lokal zusammengefasst, sondern wild in der Stadt verstreut. Das freut natürlich ganz besonders Fahrer von so kleinen Fahrzeugen wie dem Rhino. Außerdem können wir auf den Formularen weder Zahlen noch Buchstaben lesen. Und das alles erklärt hoffentlich ein wenig, warum man einen Helfer benötigt.

Zurück zu unserem Mohamed. Er ist also bereit, uns bei der Abwicklung behilflich zu sein und lässt im Gespräch schon mal die Bemerkung fallen, dass ihm normalerweise seine Kunden 50 US Dollar geben. „Taman, wir werden sehen. Bokra…“ (wir sprechen nämlich mittlerweile arabisch;-), dazu aber mehr im nächsten Artikel von mir).

Das erste Papier erhalten wir recht unkompliziert bei der Traffic Police und es bescheinigt, dass wir das Land unfallfrei und ohne Knöllchen verlassen werden. Als nächstes wollten wir noch schnell in einer Schlosserwerkstatt vorbei fahren, um eine Kleinigkeit schweißen zu lassen und noch schnell einen zusätzlichen Wagenheber kaufen. Schnell geht hier mal gar nichts. Aus der Touristenstadt Aswan wurden alle Handwerksbetriebe verbannt und wir fahren erst einmal eine gute halbe Stunde raus vor die Stadt.

Dort befindet sich die Schlosserei von Hassan (siehe Titel), der nicht ein Wort englisch spricht. Also dolmetscht unser Mohamed und im Laufe der Arbeiten stellt sich heraus, die beiden sind ganz dicke mit einander sind und Hassan hat auch alle Arbeiten am Haus von Mohamed erledigt. Diese Tatsache sagt dann aber nichts aus über den Preis oder die Qualität. Nach zwei Stunden sind wir dann mit dem Resultat einigermaßen zufrieden, aber auch um 120 Pfund (15 €) ärmer. Aus deutscher Sicht sicherlich nicht die Welt, hier in Ägypten aber der Lohn eines Arbeiters für eine halbe Woche Arbeit.

Schweisser Hassan bei der Arbeit

Projekt Rhino erledigt

Dann fahren wir im gleichen Industriegebiet noch zu eine Art „Autoteile Unger“ und finden dort sogar noch unseren 10 Tonnen Zweit-Wagenheber. Zwar Made in China, aber bezahlbar (Anmerkung von Thomas: nach harten Verhandlungen konnte ich den Preis von 130 auf 120 Pfund drücken 🙂 , wieder ca. €15).

Ja, und da war ja noch unser Übernachtungsproblem. Von Motorradfahrern, die wir auf der Fähre von Venedig kennengelernt hatten, wussten wir, dass es das Hotel Sara gibt, wo man auf dem Parkplatz ein paar Tage stehen kann. Dort heißt unser Helfer Helmy (siehe Titel) und zum Schnäppchenpreis von nur 100 Pfund (13 €) können wir dort einen ganzen Tag und eine Nacht parken.

Wir wissen, dass wir bei jedem Preis den „Touri-Preis“ zahlen und außerdem ist ja auch noch der Helfer zu bezahlen. Wenn diese sich dann auf arabisch miteinander unterhalten, wissen wir natürlich nicht worüber. Wahrscheinlich klärt aber jeder schon mal ab, wieviel Vermittlungsprovision er von dem anderen Helfer erhält, weil er ja den doofen Touri im Schlepptau hat. Klar, mit unserer deutschen Mentalität nervt es uns total an, abgezockt zu werden, aber noch haben wir keinen Weg gefunden, das zu umgehen. Und ganz nebenbei möchte ich noch einmal über das Wetter reden. Blauer Himmel 12 Stunden am Tag, Temperaturen von bis zu 40 Grad. Also fassen wir zusammen: wir ertragen schwitzend unsere Nepper, Schlepper und Helfer und hoffen auf bessere Zeiten. Vielleicht wird es ja in den nächsten Tagen mal ein wenig kühler.

Maas salama – Tschüss bis zum nächsten Artikel

PS: Noch eine Anmerkung von Thomas: so schlimm ist es aber auch wieder nicht. Ich komme gerade aus der klimatisierten Hotel-Lobby, wo ich den ganzen Abend umsonst in super-schnellen Hotel-Internet surfen durfte. Warum? Weil ich unserem „Helmi“ (dem Hotel Manager) erzählt habe, dass ich als Deutscher Telekommunikations-Ingenieur mir morgen Vormittag gerne mal ansehe, warum das Wireless-LAN in seiner Bude nicht richtig funktioniert. Es hatte zwar schon mehrmals ägyptische „WLAN-Helfer“ im Einsatz vor Ort, aber die haben es nicht gebracht. Mal sehen, ob ich das Problem morgen beheben kann, dann küssen die mir bestimmt die Füße… (na ja, das würde natürlich nur ein Deutscher sagen, für die Araber sind die Füße ja igitt…)

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3 Antworten to “Nepper, Schlepper oder Helfer?”

  1. Zecke 14. Oktober 2010 um 20:06 #

    Hallo ihr zwei.

    Ich werde noch zum richtigen Blog Junkie. Wenn ich nicht alle zwei Tage meine Dosis Afrika bekomme werde ich echt nervös und schau ständig ob es nichts neues auf eurer Seite gibt.

    Wie war denn die Strecke El Dakla nach Assuan? Das sind doch über 400km Luftlinie. Keine besonderen Vorkommnisse?
    Besucht ihr eigentlich noch Luxor?

    Thomas, wenn du Probleme mit dem Wlan hast, du kennst ja meine Nummer 🙂

    Gruß
    Zecke

    • gotoafrica2010 14. Oktober 2010 um 20:41 #

      Hallo Zecke,
      das WLAN hier im Hotel tut es nun wieder, jedenfalls hier in der Hotel-Lobby. Zum Dank darf ich nun 5 Tage (solange bleiben wir hier) kostenlos das Hotel WLAN benutzen 🙂
      Ein bißchen peinlich war es nur, als ich bei der Arbeit an WLAN so quasi „nebenbei“ auch das Hotel-LAN (=Internet) lahmgeleght habe, ohne es zu merken. Erst als die Mädels aus dem Reservierungsbüro ganz nervös wurden, weil nichts mehr ging, wurde ich auch etwas nervös.
      Es hat sich dann als ein „Wackelkontakt“ an einem UR-ALTEN LAN-Router herausgestellt – hier ist natürlich alles echt „afrikanisch“ (d.h. frei durch die Luft mit 5 Knoten im Kabel) verdrahtet,und dann kann das schon mal wackeln… Als es dann aber 20 min später wieder ging, weil ich den Wackelkontakt gefunden hatte, waren alle wieder happy.
      Heute abend schau ich mir nochmal das WLAN auf der 2. und 3. Etage an, da haben die solche alten WLAN-Kisten, da weiss ich noch gar nicht, wie ich dran komme… (nur 1 Ethernet-Stecker pro Kiste).
      Viele Grüße aus der Hotel-Lobby
      Thomas

  2. Rolf 16. Oktober 2010 um 11:46 #

    Hallo Ihr Abenteurer!
    Nach ausführlichem Skypen, heute kein Kommentar,
    wohl die Aufforderung, macht mit Eurer Schreibe
    fleissig weiter. Rolf.

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