Ein Tag im Anti-Atlas

18 Apr

Fotograph bei der Arbeit

Im Antiatlas

The winner takes it all..

Heute haben wir einen sehr schönen Tag gehabt – Genüsse aller Art: erst kulturelle Genüsse („Kunst im Freien“), dann Natur- und Offroad-Genuss, zum Abendessen kulinarische Genüsse der Spitzenklasse und der Abend ist ja noch nicht zu Ende… Aber wie immer, erst mal schön der Reihe nach.

Gestern Nachmittag Ankunft in Tafraoute, sozusagen der „Touristenhauptstadt“ im Anti-Atlas (Der Anti-Atlas ist übrigens das Gebirge SÜDLICH vom hohen Atlas). Nach fassen von Treibstoff , Wasser und Lebensmitteln nebst Müllentsorgung, haben wir uns nach kurzer Beratung durch die Deutsch-sprechenden örtlichen Schlepper entschieden, „wild“ in der Nähe der berühmten bemalten Felsen zu campieren. Diese sollen nach kurzer Pistenfahrt (nur ca. 4 km Off-road) ganz einfach zu finden sein und dort gäbe es jede Menge gute Campingplätze.

Leider biegen wir (wie sich im Nachhinein heraustellt) ca. 300 m zu früh nach rechts von der Strasse auf die Piste ab und landen prompt im einen noch fast aktiven Steinbruch auf einer Strecke, die wahrscheinlich im letzen Jahr der Austragungsort der marokkanischen Truck-Trail Meisterschaften war. Nach ausgiebiger Inspektion zu Fuss entschliessen wir uns dann aber, die ca. 40%ige Steilabfahrt, die zusätzlich auch noch von tiefen Spurrillen durchfräst ist, NICHT runter zu fahren, sondern lieber an Ort und Stelle zu campieren – also nur knapp oberhalb des Steinbruchs auf einem Platz mit toller Fernsicht, wo sonst wohl (auch aufgrund der Anfahrt) so einfach kein anderes Fahrzeug hinkommt.

Auf dem folgenden abendlichen Fussweg zu den bemalten Felsen, die nur ca. 1 km Luftlinie entfernt liegen, überlegen wir noch, ob wir unserer Kasko-Versicherung den Totalverlust unseres Fahrzeugs durch evt. morgen früh im Steinbruch einsetzenden Spreng-Arbeiten plausibel machen könnten, oder ob das Campieren dort eher als grobe Fahrlässigkeit gewertet werden würde 

Nun ja, der Steinbruch war dann wohl doch nicht mehr in Betrieb (jedenfalls nicht Sonntags) und so konnten wir heute morgen in Ruhe ausschlafen. Danach eine kurze Fahrt zu den bemalten Felsen, wo meine Liebe bei der folgenden Foto-Session mal kurz fast alles mitgeführte Profi-Fotographen-Arbeitsgerät zu Einsatz bringt (Spiegelreflex-Kamera, diverse Objektive, Carbon-Stativ, Fernauslöser, etc etc). Die Session hat uns aber trotzdem (oder eben deshalb?) viel Spass gemacht.

Danach fahren wir Richtung Süden zu den „Gorges D’Äit Mansour“; da „Gorge“ auf französisch Schlucht heißt und eben diese von Bergen begrenzt wird, müssen wir also erst mal über die Berge rüber – über einen original süd-marokkanischen Bergpaß. Dieser zeichnet sich dadurch aus, dass die verwenden Sicherungen gegen Absturz nur sehr spärlich dimensioniert bzw. nicht vorhanden sind, was meiner lieben Beifahrerin nach ihrer lebhaften Mimik zu urteilen nicht nur feuchte Hände sondern (nach eigener Aussage) ebensolche Füsse beschert hat.

Angekommen in der Oase, mitten in der Schlucht, fahren wir unter einem Dach von Dattelpalmen hindurch (das ist jetzt echt keine Übertreibung…  ).

Leider ist das Palmen-Dach an manchen Stellen nur ca. 3 m hoch und unser lieber Rhino 3,50 m. Daher entschließen wir uns, nach einer ein wenig kontrovers geführten Diskussion, doch lieber umzudrehen und unseren Zielpunkt auf der anderen Seite des Gebirges durch die benachbarte Schlucht zu erreichen. Die ist in unserem Reiseführer nicht so ausführlich beschrieben und kann dann ja wohl auch nicht so spektakulär sein – oder?

Weit gefehlt! Wir fahren also wieder ca. 10 km zurück und biegen dann nach rechts auf die Piste in die Nachbarschlucht ein. Schon nach kurzer Fahrt gewinnen wir den Eindruck, dass die nun folgende Route (wegen der spärlicheren Beschreibung im Reiseführer?) wohl nur recht selten befahren wird und daher nur eine ganz kleine (d.h. schmale) Piste ist. (Wie wir später noch sehen sollen, ist es auch eine ausgesprochen „niedrige“ Piste…)

Aber inzwischen haben wir unseren Rhino bzw. dessen Abmessungen besser im Griff und schließlich will man sich ja nicht gleich ins Bockshorn jagen lassen, oder? Als uns dann aber auf der ca. 3 m breiten Piste am Abhang entlang (unser Rhino ist ca. 2,30 breit – plus Spiegel) auch noch 6 (!!!) mit Offroad-Guides und Touristen vollbesetzte 4×4 Fahrzeuge hintereinander entgegen kommen, fängt das Abenteuer natürlich erst richtig an!

Nach einiger Kurverei finden wir eine kleine Ausweichstelle, in die wir unseren Rhino in Millimeterarbeit soweit reinzwängen, dass die Geländewagen sich so gerade eben zwischen uns und dem Abgrund vorbeiquestschen können. Die Reaktion der Tousisten auf die Aktion reicht vom „Augen zu und durch“ bis zur vollständigen Dokumentation auf Foto und Video…

Weiter geht unsere Fahrt; einmal räumen wir uns sogar die Ein- und Ausfahrt in eine eigentlich noch im Bau befindliche Piste durch ein Flussbett frei, weil uns das sicherer erscheint, also über die schlecht gesicherte alte Piste zu fahren, die ca. 10 m weiter oben verläuft.

Bei der folgenden Kaffeepause mitten auf einer schönen Wiese haben wir uns dann schon abgeklatscht und uns zu dem tollen bestandenen Abenteuer gratuliert – ! Da ahnten wir auch noch nicht, dass uns das Beste (oder das Schlimmste?) erst noch bevorstand…

In den nun folgenden palmengesäumten Dörfern, war die Piste nämlich nur für „normale“ 4×4 Fahrzeuge ausgelegt und die sind nun mal „nur“ ca. 1,80 m breit und mit Dachzelt vielleicht 2,50 m hoch. Unser Rhino glänzt aber mit 2,30 m Breite und 3,50 m Höhe….Also mußte eine ganze Menge Blattwerk und auch so mancher Ast von Rhino beiseite gedrückt werden, um uns den weiteren Weg zu bahnen. Einmal haben wir sogar eine tiefhängende Stromleitung gestreift, aber die war zum Glück gut isoliert.

Irgendwie haben wir es dann (auch dank GPS) geschafft, uns durch den ganzen Palmen-Urwald durchzuzwängen und außer einem gerissenen Außenspiegel und einer Menge Kratzer hat unser Rhino auch keine bleibenden Schäden davon getragen.

Besonders weit gekommen (kilometermäßig) sind wir heute dadurch natürlich nicht; wir stehen heute Abend neben einem ausgetrockneten Flussbett, welches uns auf den letzten Kilomatern auch als Piste gedient hat, und verbringen hier die Nacht.

Ach ja, nun noch zu dem kulinarischen Genüssen. Heute abend gab es zu einer äußerst pikanten chinesischen Nudelpfanne, einen leckeren Merlot und danach (sozusagen als „Highlight des Tages“) eine exquisite Mousse-au-Chocolate mit Sahnehäubchen.

Bismilla!

es wird noch enger...

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