Gestatten – White Rhino

10 Apr

Ein wenig haben wir ja vor der Marokko-Reise schon von unserem Reisegefährten „White Rhino“erzählt und ein paar Bilder habt Ihr im Reisetage auch schon gesehen. Als wir ihn letzes Jahr gekauft haben, waren wir extrem von seiner Größe beeindruckt. Wie ein großer, weißer Elefant. Aber ein „White Elefant“ hat im englischen die Bedeutung, dass man etwas Großes am Hals hat, was man nie mehr los wird. Einen weissen Elefanten halt.

So sehen wir unser Fahrzeug natürlich nicht. Auf der Namenssuche stiessen wir dann auf die weissen Nashörner Südafrikas. Die Kolonialisten fragten die Einheimischen nach dem Namen des Tieres mit dem Horn auf der Nase. „Wide Rhino“ war die Antwort und gemeint war das Nashorn mit dem breiten Maul. Die Engländer verstanden aber „white“ wie weiss und so heissen die Breitmaulnashörner in Afrika auch heute noch „White Rhino“.

Das Fahrgestell unseres Rhino ist ein MAN, allradgetrieben von Baujahr 1994 (max. 12t schwer und 200 PS stark) und erst rund 60.000 Kilometer gelaufen (noch… :-). Es ist ein aussergewöhnliches Fahrzeug, da es eine Fahrer-Doppelkabine mit einer Rücksitzbank hat (also 2 Sitzplätze vorne und 4 hinten).

Ursprünglich wurde das Fahrzeug in Ostdeutschland eingesetzt und dort gewerblich von der „Energieversorgung Ostsachsen“ genutzt. Damals hatte es hinten noch eine normale Pritsche drauf, und damit wurde Farbe transportiert, um Hochspannungsmasten anzumalen.

Unser Vorbesitzer hat es dann von Orange auf Weiss umlackieren lassen und die Wohn-Kabine statt der Pritsche hinten drauf gebaut. Die Kabine war ursprünglich ein Kühlkoffer der Firma Frech und Hoch aus der Schweiz und somit extrem gut isoliert. Ebenfalls vom Vorbesitzer wurden in 2007 die Grundausbauten vorgenommen wie Küche, Bad, Schlafzimmer und Essecke. Er nutzte es für ein oder zwei 3-Wochen-Urlaube und stellte keine besonders hohen Komfort-Ansprüche. So hatte das Bad kein Waschbecken und im Wohnbereich war eine Wand nicht verkleidet. Alles in Allem aber eine gute Basis für uns.

Kleinere Verbesserungen haben wir selbst erledigt, einen Großteil des Umbaus wurde aber von dem Expeditionsmobilbauer Stefan Schmidt (www.orangework.de) erledigt. So hat das Bad jetzt Waschbecken, Toilette, Dusche und Schränke. Im Schlafbereicht gibt es ein zweites Fenster und einen zweiten Schrank. Strom erzeugen wir jetzt auf 3 Arten. Einmal über die Lichtmaschine während der Fahrt, zusätzlich über Solarpanele mit 2 x 125 Watt sowie über eine Brennstoffzelle, die aus Methanol Strom erzeugt.

Gekocht wird auf einem 2-Flammen Gaskocher. Auf den Backofen haben wir aus Platzgründen verzichtet, dafür aber eine andere, zwar sehr rudmentäre, aber funktionierende Lösung in Form eines „Omnia Topfbackofens“ gefunden.

Geheizt wird mit einer Truma-Gebläseheizung, die ebenfalls mit Gas betrieben wird. Ein recht großer Kühlschrank, sogar mit Tiefkühlfach, komplettiert die Küche (die Spülmaschine hat übringes zwei Beine, heisst Tom und läuft manchmal weg…).

In zwei Wassertanks mit insgesamt rund 300 Liter Inhalt, wird in einer speziellen Filteranlage (Kohle- und Keramikfilter) Brunnenwasser zu Trinkwasser aufbereitet. Im hinteren Bereich befindet sich unser Schlafzimmer mit einem Festbett von 140 x 220 cm. Die Sitzgruppe für 4 Personen können wir zu einem weiteren Bett in der Größe 195 x 110 cm umbauen (von den Jungs schon getestet und für gut befunden). Ein weiteres Bett steht bei Bedarf im Führerhaus in der Größe 195 x 100 cm zur Verfügung (hier ist auch mein ganzes Foto und Computermaterial untergebracht). Ihr seht also, wir sind auch auf Besuch eingerichtet.

Das Führerhaus hat noch einen zusätzliche Engel-Kompressorkühlbox für die kühlen Getränke und Snacks während der Fahrt. Die beiden Vordersitze waren schon recht stark genutzt und wurden durch zwei Original Isri-LKW-Luftsitze mit Armelehnen ersetzt. Oben auf dem Führerhaus transportieren wir eine Ersatzreifen-Karkasse. Ausserdem ist das Dach eine prima Plattform fürs Fotografieren, auf das auch ein Stativ passt.

Auf der Fahrzeugrückseite befindet sich ein manueller Kettenzug, mit welchem im Falle einer Reifenpanne das Komplett-Ersatzrad (ca. 140 Kilo schwer) abgelassen werden kann. Unter dem Fahrzeug wurden zwei Spezialkunstoffkästen auf Maß angebaut, die als zusätzliche Staukästen und als Abwassertanks genutzt werden.

Um die Reichweite des Fahrzeuges noch weiter zu erhöhen wurde zu den zwei vorhandenen Dieseltanks (300 und 170 Liter) noch ein weiterer mit 160 Liter angebaut, so dass wir nun vollgetankt rund 3000 Kilometer weit kommen, ohne nachtanken zu müssen. Von aussen zugänglich befindet sich unter unserem Bett ein 230 x 140 cm großer und 1m hoher Stauraum. Darin haben wir das ganze Werkzeug, Ersatzteile, Bergematerial und die Camping- und Bergsteigerausrüstung untergebracht.

Von aussen komplettiert dann die große „www.go-to-africa.de-Beschriftung“ das Fahrzeug. Um bei Grenzübergängen, bei Polizeikontrollen oder auch sonst nicht als LKW identifiziert zu werden, trägt unser Fahrzeug vorne noch die große Aufschrift „Tourist“. Das mag im ersten Augenblick vielleicht etwas albern wirken, wir konnten uns hier in Marokko aber schon von der Wirksamkeit überzeugen und wurden bisher bei jeder Verkehrskontrolle sofort durchgewunken.

Unser Marokkourlaub dient uns auch als Vorbereitung für unsere große Afrika-Reise. Funktioniert alles? Gibt es Dinge, die wir ändern sollten? Was fehlt noch? Bisher haben wir nur so Kleinigkeiten wie stabilere Schrankschliesser, eventuell eine größere Klappe für den Stauraum und einen andere Aufbewahrung für die Eingangsleiter als Verbesserungsprojekte gefunden.

Wir fühlen uns auf jeden Fall schon sehr wohl in und mit unserem „White Rhino“ und finden es ganz toll, dass wir ständig auf unser Fahrzeug angesprochen und fotografiert werden (also nicht wir, sondern unser LKW).

es wird noch enger...

Rhino im Gelände

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