Thorong-La

17 Apr

Freitag, den 17. April; Bericht von Thomas:

Über den Thorong-La
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Am Abend vor dem Aufstieg geht es schon früh um 20:30 Uhr ins Bett. Da wir schon um 2:30 nachts wieder raus müssen, haben wir natürlich vorher schon alles an Equipment gekramt. Außerdem habe ich schon alles angezogen was ich für den Aufstieg brauche, außer Goretex-Hose und Jacke und Stiefel.

Dies hat leider zur Folge, dass es in meinem Schlafsack ein bißchen zu eng wird 🙂 Kalt ist es trotzdem – also wird die ersten 4 h erst mal nicht geschlafen, weil nicht müde, zu hoch, zu kalt und zu eng….

Um 2:30 dann wecken. Da ich den Brustgurt sowieso schon anhabe, kann ich auch gleich mal den Ruhepuls messen: 65, nicht schlecht dafür, dass wir in 4500 m Höhe sind.

Beim Abmarsch um 3:15 Uhr fühle ich mich top-fit. Die Kopflampen vor und hinter uns ziehen sich wie an der Perlenschnur aufgereiht dem Berg hoch. Unser Guide Jang-Bu gibt seinen fast meditativ langsamen Schritt vor, und im nu (nach ca. 1 h) sind wir auf 4900 m.

Dort nimmt das Unglück dann seinen Lauf. Unsere Aynur, die sich schon am Vortag nicht wohl fühlte, bricht erschöpft zusammen. Aber, nach einer kleinen Ruhepause im High-Camp mit heissem Tee, gibt Aynur Ihren Rucksack an einem Träger ab und trottet zu unser aller Überraschung direkt hinter Jang-Bu weiter den Berg HINAUF.

Ca. um 6 Uhr kommen wir dann beim 2. High-Camp auf 5100 m Höhe an. Dort liegt Aynur bereits in dem Armen von einigen Kameradinnen auf der Bank in der Hütte. Kurz vorher war sie zum zweiten Mal zusammengebrochen, und diesmal geht es für sie definitiv NICHT mehr weiter. Die Guides versuchen, Aynur in die für Notfälle mitgeführte und eilig aufbebaute Überdruckkammer zu verfrachten. Aber sie weigert sich (Platzangst?), und deshalb wird sie danach auf ein Pferd gesetzt. Ob das Pferd dann Berg-hoch oder Berg-runter gehen soll, ist nicht ganz klar und in der Hektik auch nicht richtig nachzuvollziehen… Spielt aber auch keine Rolle, da Aynur sich nicht auf dem Pony halten kann und daher auch dieser Rettunsversuch abgebrochen werden muss.

Als letzte Lösung nimmt einer der Nepalis Aynur dann im Huckepack auf den Rücken und trägt (!) sie bergab. Ihre Zimmergenossin und Freundin Alexa steigt mit ab und berichtet nachher, dass sich auf dem Weg Berg runter zum Ausgangspunkt auf 4500m dann zwei Träger immer abgewechselt und so den Abstieg über 600 hm in deutlich weniger als 1 h geschafft haben!

Unter angekommen geht es Aynur dann schon wieder etwas besser. Nach ca. 2 Stunden Wartezeit am Hubschrauberlandeplatz kommt der bestellte Hubschrauber und bringt Aynur ins Krankenhaus nach Kathmandu, aus dem sie schon ab Abend des selben Tages entlassen werden wird.

Zurück zu unserem Aufstieg: natürlich sind wir alle recht geschockt über Aynurs Zustand und die dramatische Rettungsaktion; aber dass wir weiter aufsteigen werden, steht nie in Frage. Um ca. 7 Uhr geht weiter, diesmal in kleinen Gruppen. Ich gehe natürlich zusammen mit Dagmar, die ein langsames, aber stetiges Tempo vorgibt. Die letzten 100 hm ziehen sich (wie immer) wie Kaugummi, aber ca. 9 Uhr haben wir es geschafft. Der „Einlauf“ auf dem Pass ist wie beim Marathon, und wir haben dabei beide Freudentränen in den Augen…

Wir verbringen dann ca. 1 h am Gipfel (äh, Paß), hängen unsere nepalische Gebetsfahne neben all die anderen und machen unzählige Gruppen- und andere Erinnerungs-Fotos.

Um 10 Uhr geht es dann zum Abstieg, der sich mit 1600 hm über 4 1/2 h dann wirklich EWIG hingezogen hat. Für mich war der Abstieg fast noch anstrengender als der Aufstieg, weil Dagmar als zähe Bergziege auch dort ein recht flottes Tempo vorgab.

Nach einer ausführlichen Mittagspause sind wir dann um 16 Uhr in unserer Lodge im Mukhtina angekommen.

Der „Held des Tages“, unsere Alexa, ist pünktlich zum Abendessen um 19 Uhr auch wieder zu uns gestossen. Sie war ja zusammen mit Aynur wieder zum Ausgangspunkt zurückgekehrt. Nachdem der Hubschrauber abgeflogen war (ca. 11 Uhr) machte sie sich zusammen mit den ebenfalls abgestiegenen Guide Jang-Bu ERNEUT auf dem Weg über den Pass. Aber beide hatten nun bereits 600 hm Auf- und Abstieg in den Knochen, und sie waren 8 h hinter der „normalen“ Zeit. Deshalb mussten sie sich sogar noch beeilen, um den Paß vor Einbruch der Dunkelheit um 18:30 geschafft zu haben!

Für Jang-Bu als Bergführer war das natürlich kein größeres Problem, und ein entsprechendes Tempo legte er dann beim erneuten Aufstieg auch vor. Aber Alexa hat es irgendwie geschafft mitzuhalten, auch wenn sie sich auf dem Paß mit eigenen Worten „wie im Nirvana“ fühlte. Deshalb war sie für mich am Höhepunkt unserer Trekking-Tour der „Held des Tages“!

Namaste & Bis bald!

Thomas

Von Dagmar: Hallo Rolf, zu Deinem Namenstag die besten Grüße von uns. Wir haben mehrfach versucht Dich zu erreichen, um Dir zu gratulieren und Dir zu berichten, dasss wir es geschafft haben, aber leider haben wir keine Telefonverbindung bekommen (unsere Handys funktionieren nämlich hier nicht).

Tom auf 5000

Beweis

Am Pass

Auf dem LAAAANGEN Abstieg

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