In den Suqs von Marrakesch

14 Jan

Heute Morgen wollten wir eigentlich mal ein wenig länger schlafen, aber der einzige Nachteil unseres wunderbaren Hotels ist leider, dass die Zimmer auf den Innenhof raus gehen. Und da steht ein Telefon. Erster Anrufer 7.50 Uhr. Was soll es, ist immer hin gute 2 Stunden später als vom Muezzin geweckt zu werden. Kaum treten wir aus dem Zimmer, werden wir gefragt, ob wir das Frühstück auf der Dach-Terrasse einnehmen wollen. Wollen wir sehr gerne. Und in der Sonne sitzend lassen wir es uns dann schmecken mit Spiegelei, Baguette, frisch gepresstem Orangensaft, warmen Fladen und Orangenmarmelade. Da fängt der Tag doch schon mal gut an. So schlendern wir dann später durch die Gassen: vom der Gasse der Lampenhändler, zu den Babusch-(auch die Hausschlappe genannt)Händlern, zu den Schnitzern- und Teppich-Händlern. Alles ist bunt, riecht fremdartig und ständig fahren kleine Mopeds durch die Gassen. Hier preist einer seine Waren lautstark an, der nächste zupft einen am Ärmel „hier gutte Preis“ und dort tönt laut orientalische Musik.

Einen besonders erfolgreichen Kauf tätigen wir im Porzellan-Geschäft bei einem Berber. Der gute Mann versteht unser Französisch und kann uns endlich die Frage aller Fragen beantworten: WAS KOSTET EIN GUTES DROMEDAR? „Ist gaanz einfach, ist wie Auto. Altes Auto, kleine Preis; junges Auto, große Preis!“ strahlt er uns an. „Und was ist das so in Dirham?“ „10.000 für altes, aber gutes Dromedar und so 20.000 Dirham für junges starkes (und wahrscheinlich männliches Dromedar; Anmerkung der Autorin)“. Froh und erleichtert, endlich die Antwort gefunden zu haben, verlassen wir das Geschäft und der Inhaber fragt sich wahrscheinlich, ob alle Deutschen so verrückt sind.

Dann zurück zum Hotel, wir haben ja noch den Termin im Hamman. Die Hamman haben in der arabischen Welt eine lange Tradition und gehören genauso wie die Moschee zu jeder Stadt. Die rituellen Waschungen sind religiöse Pflicht der Moslems und da auch heute noch viele Häuser nicht über fließendes Wasser verfügen, werden sie immer noch stark genutzt. Im traditionellen Hamman gehen die Frauen in der Regel tagsüber baden und die Männer am Abend und in der Nacht. Kinder gehen zusammen mit ihren Müttern baden und man sieht es dann auch erste Aufklärungsstunden für die Jungs an.

Bei uns hier im Riad dürfen Tom und ich allerdings zusammen ins Hamman. Ähnlich einer Dampfsauna ist der kleine Raum, vollständig aus Tadelat (marokkanischer Glattputz für Wände besonders in Nassräumen, sehr aufwendig in der Verarbeitung und daher bei uns in Deutschland fast unbezahlbar) mit einer geheizten Pritsche in der Mitte. Unsere Badefrau fängt erst einmal mit mir an. Dann weiß Tom wenigstens was auf ihn zukommt. Zuerst wird man sozusagen von Hand geduscht. Wunderbar warmes Wasser wird aus einer Schale mehrfach über den Körper geschüttet. Dann wird man mit einer Seife mit Eukalyptusgeruch am ganzen Körper eingerieben. Es folgt eine Bürstenmassage, die auch den letzten Wüstenstaub aus den Poren holt.

Wahrscheinlich zum wieder versiegeln der Poren, werde ich dann von der Nasenspitze bis zu den Zehen mit Schlamm eingerieben. Tom grinst und meint, ein Foto wäre jetzt nicht schlecht. Aber darauf muss die Nachwelt leider verzichten, die feuchte Luft hätte der Kamera nämlich gar nicht gut getan ;-). Nachdem Tom sich der gleichen Prozedur unterzogen hat, darf auch ich grinsen. Mit dem Schlamm sieht er echt noch besser aus, als ob er gerade vom catchen käme. Zum Abschluss bekommt man noch schön die Füße abgetrocknet, die Schlappen gereicht und wird wieder in den Bademantel gewickelt. Und selbst Tom meint, das wäre ja wohl echt ein klasse Gefühl.

So frisch gereinigt machen wir noch ein paar Einkäufe und nehmen das Abendessen wieder auf der Fressmeile ein. Dann noch ein Gewürztee mit „Lebkuchen“ und trotz ein wenig Regen am Abend, war das wieder ein sehr schöner und erlebnisreicher Urlaubstag.

Bonne nuit – DAG

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