Endstation Mittel-Atlas

4 Jan

Die für heute geplante große Sahara-Offensive ist leider schon im Mittel-Atlas wegen der unbarmherzigen Härte der Wüste grandios gescheitert. Allerdings Schnee-Wüste! Und dann auch noch im Mittel-Atlas… Das mit dem Hohen Atlas (4000 m hohe Berge) nicht so scherzen ist, wussten wir ja schon – aber der Mittel-Atlas („nur“ 3000 m hohe Berge)? Einfach unglaublich… Aber nun wie immer – erst mal ganz von vorn:

Wegen Dauer-Regen und Kälte in Fes wollten wir so schnell wie möglich ins Warme (d.h. ab in die Wüste). Der kürzeste Weg dahin führt von Fes mitten durch den Mittel-Atlas nach Midelt und dann durch einen Rand-Streifen vom hohen Atlas nach Ar-Rachidia. So weit ganz einfach und an einem langen Fahr-Tag auch gut zu schaffen.

Morgens geht es erst mal unerfreulich damit los, dass das Auto mal wieder nicht anspringt, wegen Batterie-Schwäche. Wahrscheinlich haben die beiden 50 Ah-Batterien, die ich unmittelbar vor der Reise eingebaut hatte, vorher schon bei Dagmar 5 Jahre in der Garage gelegen ? Und mein toller, ebenfalls frisch-eingebauter Batterie-Wächter (ein Abschalt-Relais, welches die Batterie bei Spannung kleiner 12 V abschalten und so vor Tiefentladung durch Kühlbox, Standheizung und Wechselrichter schützen soll), tut es offensichtlich auch nicht. Also heißt es mal wieder anschieben, was zu drei Mann (und Dag am Steuer) auch mal wieder gut klappt. Hoffentlich geht das jetzt nicht jeden Morgen so…

Die ersten 50 km in Richtung Gebirge kommen wir gut voran. Dann plötzlich vor uns eine Schlange von Autos und LKW, die vor einer Baustellenampel zu warten scheinen. Da stellen wir uns doch erst mal brav hinten an. Nachdem die fiktive Ampel nach 15 min immer noch nicht auf grün geschaltet hatte, fahren wir einfach mal an allen wartenden Autos vorbei vor und sehen ganz vorne mal nach dem Rechten. Offensichtlich macht man das in Afrika so, denn ganz vorne werden wir von einem warten Polizisten sehr freundlich begrüßt. Er erklärt uns, das die Strasse wegen Schnee gesperrt ist (unglaublich, da es hier immer noch wie aus Eimern regnet) und wir gerne ein paar Stunden warten können, evt. würde sie die Strasse dann wieder aufmachen. Warten ist ja in Marokko National-Sport, also machen wir gerne mit. Wir haben Glück, schon nach 10 min geht die Schranke auf und wir dürfen versuchen, den Schneepflug einzuholen. Das gelingt uns auch, nach ca. 30 min sind wir von allen Startern an der Schranke die ersten hinter dem Schneepflug und dürfen zur Belohnung dann die noch weitere 2 Stunden mit 30 km/h hinter dem Schneepflug herfahren. Hinter uns eine Karawane von weiteren 10 – 20 Fahrzeugen (schwer zu schätzen), die aber mit der Zeit erstaunlicherweise immer kürzer wird. Wir werden erst später verstehen warum.

Der Schnee wird immer höher (mindestens ½ Meter – oder noch höher?) und das Wetter immer schlechter – wir wundern uns, das der Fahrer des Schnee-Pflugs bei „White-Out“ Bedingungen überhaupt noch die zu räumende Strasse findet. Wir befinden uns auf einer Höhe von ca. 1800 Meter, aber es sieht aus wie auf dem Mond. Nach 130 km kommen wir dann endlich in Boulemane an. Wie wir feststellen müssen, ist dies die Schneepflug-Station (also der Umkehrpunkt des Schneepflugs) und damit unsere ENDSTATION! Ohne Schneepflug ist an ein Weiterfahren einfach nicht zu denken. Leider gibt es in diesem Nest aber auch kein Hotel, so dass wir uns nach ausführlichem Sondieren der Lage für die einfachste und sicherste Alternative entscheiden – mit der nächsten „Karawane“ hinter dem „14 Uhr Schneepflug“ wieder zurück dahin, wo wir hergekommen sind – nach Fes!
Gesagt, getan: wir dachten schon die Hinfahrt hätte mit 3 h lange gedauert, aber die Rückfahrt wird noch besser… Wir sind diesmal in der Mitte der Karawane von ca. 20 Autos und dürfen beobachten, warum die Karawane mit der Zeit immer kürzer wird – es schaffen einfach nicht alle! Nur die harten kommen in den Garten – d.h. am Ziel an. Die 25 Jahre alten 200er Mercedes sind natürlich standardmäßig mit abgefahrenen Sommerreifen an der angetriebenen Hinterachse bestückt, und das ist im Gebirge nicht wirklich lustig. Also: immer wenn ein Fahrzeug liegen bleibt, steigen die Insassen der 5 folgenden Fahrzeug der Karawane aus, diskutieren ein bisschen mit dem Pechvogel und dann wir gemeinsam geschoben. Das geht natürlich nicht unbegrenzt oft, so das dann irgendwann einfach überholt wird und die schwachen damit immer weiter nach hinten durchgereicht werden… (nennt man glaube ich Darwinismus).

Mit unserem Land Rover „4×4 Panzer“ haben wir dagegen natürlich gar keine Probleme und befinden uns schon fast wieder hinter dem Schneepflug, als dem LKW vor uns der Motor an einer GANZ engen Stelle abstirbt und auch nicht wieder angeht. LKW anschieben ist allerdings trotz vieler helfender Hände nicht ganz einfach – klappt einfach nicht. Der Schnee-Pflug hat nichts gemerkt und ist auch schon weg.

Da wir an dem gestrandeten LKW wegen der zu engen geräumten Strasse nicht vorbeikommen, richten wir uns geistig schon darauf ein, die Nacht im Schneesturm auf der Pass-Strasse hinter dem LKW zu verbringen. Als ich gerade am Rechnen bin, für wie lange wohl unser Treibstoff für die Standheizung unseres Landy reicht, naht die Rettung aus der entgegen gesetzten Richtung in Form eines Sahara-Expeditions-Fahrzeugs!!!

Das ist so ein Riesen-LKW von MAN mit mindestens 3 oder 4 angetriebenen Achsen und Reifen so groß wie sonst nur am Traktor. Sieht man öfters als Begleitfahrzeug bei der Rallye Paris-Dakar (dann allerdings im Wüstensand und nicht im Schnee). Dieses Viech schiebt sich einfach seitlich an dem vor uns gestrandeten LKW vorbei durch den Schnee (und hat dabei auch noch einen anderen PKW im Schlepptau) und planiert uns dadurch eine Rampe in den Schnee neben der Strasse, über die wir ebenfalls an dem Strandgut-LKW vorbei fahren können…

Der Rest der Reise bis wieder zurück nach Fes war dann ziemlich einfach?.

Und nun – wie kommen wir in die Wüste? Gemäß der alten Alpen-Weisheit „Wenn der Brenner zu ist, fahr halt über den Gross-Glockner“ haben wir dann heute kurzfristig umdisponiert und versuchen nun bei Marrakesch über den hohen Atlas zu kommen. Sind zwar „nur“ 600 – 700 km Umweg, aber was will man machen? Die Pässe sind dort zwar noch höher (2200 m) aber vielleicht besser geräumt? Ja, Ja, ist natürlich Wunsch-Denken… Wenn nicht, müssen wir ganz um das Atlas-Gebirge rumfahren (fast bis ganz ans Meer nach Agadir) und das wären dann über 1000 km Umweg ?

Heute Abend haben wir uns von Fes aus einfach mal auf die Autobahn geschwungen (sowas gibt es in Marokko nämlich auch), haben in den verbleibenden 3 Stunden ganz gut Strecke gemacht und sind nun auf einem Campingplatz am Meer kurz vor Casablanca.

Morgen geht es nach Marrakesch und dann sehen wir weiter!

Liebe Grüße und
As salâmu alekûm!

Thomas

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