Archiv | 00:45

Jussuf

1 Jan

Also heute (Neujahr) Stadtführung mit Jussuf. Das ist der freundliche, nicht mehr ganz junge Mann, der uns gestern so nett unser Hotel und den bewachten Parkplatz für den Landy gezeigt hat. Er ist zwar kein „offizieller“ Führer, aber er ist sehr nett und spricht Arabisch, Französisch, Englisch und Deutsch, obwohl er nur 5 oder 6 Jahre auf der Schule war und Marokko noch nie verlassen hat.

Außerdem hat es den großen Vorteil, dass man nicht mehr von anderen potentiellen Führern angequatscht wird, wenn man schon einen hat! Nachdem wir gleich zu Anfang gesagt haben, dass wir KEINEN Teppich kaufen wollen, war es dann auch eine sehr schöne Führung.

Besonders interessant war der Besuch der „original marokkanischen Berber-Apotheke“, wo man uns „Haus-Mittel“ gegen Bronchitis, Asthma, Krampfadern, Ekzeme, Neurodermitis, Schnarchen (!!!) und alles mögliche andere im wahrsten Sinnes des Wortes vorgeführt hat – wir mussten überall mal dran riechen. Viel Riech = Gut Zeugs!

Nachdem ich dann dezent darauf hingewiesen habe, dass wir „so alt“ doch noch gar nicht seinen (sonst haben die in der Apotheke wohl meistens Touristen-Rentner als Kunden) wurde mir dann, natürlich erst als meine Liebe sich etwas entfernt hatte und unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit, eine kleine Flasche mit „Berber-Viagra“ (braunes Pulver) angeboten.

Habe aber auch das Dankend abgelehnt und dann eine Tinktur gegen Hautprobleme gekauft. Einfach zum abends auftragen. Nach den Öffnen der Flasche im Hotel wurde mit dann auch klar, warum es die Kern-Seife zum morgens wieder abwaschen gleich mit dazu gab. Wenn das Zeug so wirkt wie es stinkt, dann ätzt es die betreffenden Hautpartien bestimmt einfach weg. Na ja, von nix kommt halt nix…

Während der Führung hat sich Dagmar auch gleich von einem der ansässigen Schuster Ihre Wüsten-Schuhe (bzw. einen Schuh) reparieren lassen, an dem sich gerade die Sohle löste. War sehr spannend, dem Schuster bei der Arbeit zuzuschauen. Besonders bei dem Teil, wo er die Schuhspitze über dem Bunsenbrenner erhitzte, und Dagmar ein bisschen Angst um Ihre guten Timberlands hatte….

Anschließend hat sich Jussuf noch sehr anerkennend über Dagmars Schule geäußert („SÄÄÄHR gut Schuh“) und gefragt, ob diese auch aus echtem Kamel-Leder seien (im Ernst!) 

Morgen fahren wir weiter nach Fes (ca. 300 km). Mal sehen wie es dort so klappt mit dem Handy-Netz und dem Hochladen der Reisebericht. Wenn wir uns ab morgen dann eine Weile nicht mehr melden, liegt es wahrscheinlich daran dass es nicht so gut klappt…

As salâmu alekûm!

Thomas

Über den Dächern von Tanger

Bon annee!

1 Jan

Zuerst einmal möchten wir allen unseren Lesern und Freunden ein gutes neues Jahr wünschen. Auf dass sich ein Teil Eurer Wünsche und Ideen in 2008 erfüllen.

Und außerdem möchten wir uns bei Euch bedanken, dass Ihr so intensiv an unserem „Schicksal“ und unserer Reise teilnehmt. Eigentlich war das Reisetagebuch für mich so geplant, dass man sich dann abends noch einmal hinsetzt und den Tag ein wenig Revue passieren lässt und festhält. Es ist aber mehr geworden. Wir freuen uns jedes Mal darauf, den Laptop hochzufahren und nachzusehen, welche Kommentare oder Meldungen es von zu Hause gibt. Wir nehmen auch gerne Bestellungen für Seife und nette Frauen entgegen und freuen uns über die Lösung unseres Wissensquiz (and the winner is: Marion!). Und wenn Tom tagsüber einmal völlig grundlos grinst, dann weiß ich, er hat wieder einen netten, gehässigen Kommentar fürs Tagebuch ;-).

Nachdem wir gestern Mittag in Tanger angekommen sind (Uhrzeit habe ich vergessen, scheine schon im Urlaub zu sein) ging es erstmal zum Zoll. Auf dem Schiff hatten wir schon die Einfuhrpapiere fürs Auto und unsere Eintrittspapier ausgefüllt und abstempeln lassen. So etwas muss man wissen oder irgendwie mitbekommen, weil für so etwas es natürlich keine Durchsagen gibt. Irgendwann öffnet irgendwo ein Schalter in Form eines Tisches mit zwei wichtigen Herren. Dann muss man sich die richtigen Papiere angeln (einmal grün fürs Auto, zweimal weiß für uns). Ausfüllen und zusammen mit Fahrzeugpapieren (die man hoffentlich nicht im Auto gelassen hat, an welches man für 40 Stunden nicht kommt) in die Schlange stellen für eine Stunde. Und dann hoffen, dass man alle wichtigen Stempel bekommen hat.

An Land dann Zollabfertigung wie zu alten DDR-Zeiten, nur ein wenig unorganisierter. Da wir recht brav immer am Fahrzeug gewartet haben, keinen Bakschisch gezahlt haben (manche Touristen haben doch tatsächlich €50 bezahlt, nur um in 20 Minuten anstelle wie wir in 1 h durch den Zoll zu kommen), verlassen wir dann nach über einer Stunde den Zoll, fast als letztes Fahrzeug.

Für Tom, das erste Mal in Afrika scheint das Gewusel kein Problem zu sein. Wir hatten nur eine grobe Richtungsbeschreibung für das Hotel, er aber navigiert uns mit Kompass (!!) durch Gassen die im Stadtplan als Hauptstrasse eingezeichnet sind. Kurz vor dem Ziel macht er den Rest noch zu Fuß und trifft auf Yusuf (nein, nicht Cat Stevens, die heißen außer Mohammed und Hassan hier alle so). Der leitet uns erst einmal zu einem bewachten Parkplatz (echtes Kunststück in einer super eng bebauten Altstadt) und dann durch ein verwirrendes Netz von kleinen Gassen zum Hotel. Dieses unscheinbare Haus ohne Hotelschild hätten wir im Leben nicht gefunden. Innen dann so wie erwartet und gewünscht, ein Traum aus 1000 und einer Nacht: Springbrunnen im Haus, überall Kerzen und Lampen, ein Bett mit frischen Rosenblättern und als Krönung eine Dachterrasse mit Blick über die Medina (Altstadt) und den Hafen.

Fotos dauern hier in Afrika sehr lange bis sie über das Handy-Netz hoch geladen sind Aber vielleicht schaut ihr mal auf die Internetseite http://www.darsultan.com – das ist das Hotel, in dem wir zurzeit „residieren“ (GPS Koordinaten für Google Earth: 35,7885 Grad N; 5,8138 Grad W).

(Kommentar von Tom: es gibt hier in Marokko leider kein 3G Netz, geschweige denn 3,5G wie in Frankreich und Spanien – mit 3,5G geht das Hochladen von Fotos über das Handy Ratz-Fatz. Bis auf weiteres stellen wir deshalb leider nur noch 1 oder 2 Fotos pro Tag in niedrigerer Auflösung ins Netz)

Auf Empfehlung unseres Hausherren gehen wir dann abends ins Restaurant Riad Tanja (www.riadtanja.com). Ziemlich gut, 5 Gänge vom Feinsten was die marokkanische Küche zu bieten hat. Allerdings hat Tom auch Recht, dass wir uns Marokko sehr „von oben“ nähern. Super Hotel, super Essen im Restaurant und rund um uns nicht nur morbider Charme, sondern auch viel Dreck und Armut.

Danach wieder vollgefuttert ins Hotel, ne Stunde bis Mitternacht aufs Bett legen mit dem Effekt, dass wir eingeschlafen sind, an Silvester dann aber von den Schiffs-Sirenen wach geworden sind. Rauf aufs Dach um festzustellen: gar nichts! Außer den Sirenen und ein paar Mensch die pfeifen, kein Feuerwerk oder Geknalle. Na wir sind aber trotzdem gut ins neue Jahr gekommen.

LG DAG

Im Bett